Joachim Becker hat von diesem Streik gleichfalls manches gelernt. Er mußte schon viele Wandlungen erleben. Er ist zum Beispiel einmal mit einer Shagpfeife herumgelaufen und hat sich von den Engländern imponieren lassen, er bewunderte auch die Amerikaner und ließ in seinem Hafen ein Turmhaus bauen. Man kann nicht sagen, daß es gleich die Wolken kratzt, doch es hat so viel Räume, daß selbst die überorganisierteste Hafengesellschaft sie nicht auszufüllen vermöchte.

Aber ebenso wie man eine Shagpfeife wegwerfen darf, weil sie nicht schmeckt, so kann man ein Verwaltungsgebäude vermieten, wenn man selbst nur einen halben Seitenflügel braucht.

Joachim Becker hat es zwar einmal nicht erwarten können, ein Projekt in seiner vollen Größe sofort verwirklicht zu sehen, er ist nicht für langsame Entwicklungen, aber er findet letzten Endes doch noch einen gesunden Weg.

Und das Schicksal straft ihn für seine Ungeduld, indem es ihn ein langsames Wachstum seines inneren Menschen erleben läßt.

Hat er nicht seinen Arbeitern die Hände geschüttelt, obgleich sie ihm den Streik verkündeten? Jetzt rennt er wütend in seinem Hafen umher und möchte am liebsten jeden hinauswerfen oder verprügeln, der die Hände in den Taschen hält und sich müßig die vollen Kähne beguckt.

Karle Töndern steht bei Schiffer Jensen und sagt:

»Da liegst du nun fest mit deiner Ladung.«

»Ja,« sagt Schiffer Jensen, »da ist mal nichts zu machen.«

Sie nehmen es beide wie eine Schicksalsfügung geduldig hin. Der Tod holt sich eine blonde junge Frau und kümmert sich nicht darum, wie dem Manne mit seinem kleinen Jungen nun zumute ist. Aber auch dann hadert Schiffer Jensen noch nicht einmal mit seinem Gott.

Karle Töndern trottet zum Getreidespeicher hinüber. Da rattern die Maschinen ohne Unterbrechung. Bodenmeister Ulrich hält auf seinem Posten aus, er ist ungeheuer beschäftigt. Die Generaldirektion hat ihm zwar einige Helfer geschickt: Grünschnäbel aus dem Bureau, die ihm nur im Wege stehen, und ein paar Mechaniker, die vielleicht mit einer Wasserleitung fertig werden ... Doch mit einem Getreidespeicher...? Einen Getreidespeicher versteht nur er, Bodenmeister Ulrich.