Hier vermag also Karle Töndern mit seinen gebundenen Händen auch nichts auszurichten, er macht einen großen Bogen um den Generaldirektor und den Kapitän und schlängelt sich in die Hafenwirtschaft hinein. Vielleicht kann er bei Frau Reiche ein wenig von seiner vielen Zeit loswerden. Er hört ihr lautes Kreischen schon vor der Tür.
»Na, da kommt ja noch so ein Faulenzer!« ruft sie ihm entgegen. »Wenn es heute hier Alkohol gäbe, dann wärt ihr jetzt schon alle besoffen!«
Sie machen ihre Witze und sind scheinbar ebenso guter Laune wie Frau Reiche, die sich in ihrer Ausgelassenheit keinen Rat mehr weiß. Und nun bringt sie wahrhaftig ihr Kirschwasser an und traktiert alle Gäste.
»Erstens ist das meine private Angelegenheit,« sagt sie zu ihrer Rechtfertigung, »und zweitens kann es mir ja jetzt schon ganz egal sein, da ich doch von hier weggehe.«
Was? Hat man recht gehört? Das ist doch wirklich eine Nachricht, nicht weniger wichtig, als wenn der Generaldirektor selber demissionierte.
»Ja,« sagt sie mit stolzem, breitem Lachen, »ich werde jetzt geschieden und tausche die Kantine gegen ein Zigarrengeschäft.«
Aha! Nun wissen sie Bescheid. Sie denken sich ihr Teil und sind nicht so engherzig, es für sich zu behalten.
Ob sie wohl schon einen Geschäftsführer für den Zigarrenladen hätte? Einen mit seidenen Strümpfen und feinen Krawatten? Haha, dann wäre ja alles in Ordnung.
»Wem es nicht paßt,« sagt Frau Reiche drohend, »dem kann ich auch nicht helfen!« Sie lachen, daß die Wände dröhnen. Ab und zu verschwindet einer von den Gästen ohne viel Aufhebens, aber dann ist gleich wieder ein anderer da, und die Unterhaltung bleibt weiter im Gange.
Karle Töndern schiebt sich zur Tür hinaus. Er bohrt die Hände fest in die Taschen und macht das gleichmütigste Gesicht von der Welt.