Und da stehen sie alle und warten.
Die Begegnung
Der Streik ist nach wenigen Tagen beigelegt worden und hat dem Hafen keinen nennenswerten Schaden gebracht.
Beide Hafenbecken liegen voller Schiffe, und es ist wieder ein lebhaftes Getriebe an allen Kaimauern, in den Lagerhallen und auf den freien Plätzen.
Irmgard Pohl muß, von ihrer Reise zurückgekehrt, feststellen, daß der großartige erste Eindruck durchaus nicht hinter dem Bild ihrer Erinnerung zurücksteht. Gewiß hat sich während ihrer Abwesenheit manches im Hafen geändert. Es wurde immer weiter gebaut, sogar ein drittes Hafenbecken kann bald in Betrieb genommen werden, und alles ist noch mächtiger, als es war. Aber welche Wandlungen sind diesseits des Kanals vor sich gegangen!
Daß sie von Frau Pohl herzlich, ja sogar mit gerührtem Überschwang begrüßt wird, überrascht die Heimgekehrte ebenso wie die äußere Veränderung an der Mutter.
Sie waren in diesem Jahr der ersten räumlichen Trennung in einen angeregten Briefwechsel hineingeraten, der alle Gegensätze zu überbrücken schien. Irmgard wußte jedoch, daß die Mutter zu jenen Naturen gehört, die sich nur dem körperlich fernen, dem unsichtbaren Menschen ganz erschließen können, und sie fürchtete sich vor der Schranke, die sich bei der persönlichen Begegnung zwischen ihnen aufrichten würde.
Und nun steht Frau Pohl neben ihr, den Arm ohne Scheu zärtlich um die Schultern der Tochter gelegt, mit einem mütterlich-weichen Lächeln im entspannten Gesicht, und aus den Augen ist endlich der starre Glanz gewichen.
Sie eilt nicht gehetzt von einer Arbeit zur anderen, sondern sie läßt sich hier und da nieder und sieht zu, wie die Zeit langsamer davongeht.