»Ja,« sagt sie fast entschuldigend, während sie sich wieder vom pausbäckigen und sehr dreibastigen Sohn tyrannisieren läßt, »so vertrödelt man seine Zeit«. Und dann kostet es sie einige Mühe, sich vom Stuhl zu trennen, um in der Küche nach dem Rechten zu sehen.
Irmgard geht zum soundsovielten Male in den alten Räumen umher und feiert Wiedersehen. Ihre Bewegungen sind ausholender geworden, sie bewegt die Arme nach allen Seiten, und es scheint, als wären die Zimmer nun zu eng für sie.
Zuweilen betrachtet sie den kleinen Michael, der bei der Begrüßung kein gutes Gedächtnis verriet, sondern seiner »Schwester« sehr eindringlich vorgestellt werden mußte. Sie sieht ihm von der Seite zu, wie er seine Spielsachen umherwirft, und lauscht mit Vergnügen seinen Selbstgesprächen, aber sie muß es sich gefallen lassen, daß er ihre Beteiligung am Spiel zunächst noch ablehnt.
Herr Pohl kommt zur Mittagsstunde herein und setzt sich in den Sessel am Fenster, mit einer gewohnten stillen Geste, als wäre es an der Tagesordnung, daß er hier erst eine Weile auf sein Essen wartet.
Der Tisch ist noch nicht gedeckt, Irmgard sieht kopfschüttelnd auf die Uhr.
»Sag' einmal, Vater,« fragt sie, mit übertriebenem Staunen, »verspätet man sich hier mit dem Essen?«
Der Vater nimmt ihren Spott lächelnd hin. »Das kommt jetzt zuweilen vor,« meint er milde, »doch es ist sehr schön, indessen hier zu sitzen und ein wenig zu sich selbst zu kommen.«
»Ja, ja,« sagt seine Tochter, während sie sich hinter ihm aufstellt und mit den Fingern über seine grauen Haare fährt, »es gehen große Dinge vor in einem Jahr.«
Sie lacht übermütig und begibt sich wieder auf ihre unruhigen Entdeckungswanderungen.
»Ich glaube, hier ist sogar etwas Staub liegengeblieben. Und wo sind denn nur die scheußlichen Nippessachen, die überall herumstehen mußten?« ruft sie aus einer Ecke des Zimmers zu ihm hinüber.