»Er hat oft am Abend hier bei uns gesessen. Ja, man kann wohl sagen, daß er immer noch so ist, wie er war. Wir drei haben uns recht gut verstanden. Die Mutter freute sich stets, wenn er kam, denn sonst ist es sehr still bei uns gewesen. Übrigens wurde der Prozeß mit dem Hafen jetzt aus der Welt geschafft. Da mag ebenfalls der Kapitän seine Hand im Spiele gehabt haben.«
Irmgard ist zwar auch damit zufrieden, daß dieser unerquickliche Streit beseitigt wurde, aber sie sieht nicht ein, warum man das nur dem Kapitän anrechnen soll. Konnte nicht Joachim Becker inzwischen auch einsichtiger geworden sein?
»Daß der Kapitän dich immer grüßen ließ, hat die Mutter dir wohl geschrieben?« fragt Herr Pohl nebenbei. »Wir haben ihn zu morgen abend eingeladen. Es ist dir doch recht?«
Gewiß freut sie sich auch darauf, ihn wiederzusehen.
»Ich habe mich doch sehr nach allem, was hier so rundherum ist, gesehnt«, fügt sie hinzu.
Sie stellt sich ans Fenster und blickt in das lebhafte Getriebe am Mühlenplatz, auf die erweiterten Gebäude und das Getümmel um die Baugrube der neuen Brotfabrik. Sie denkt daran, wie sie damals nach Michaels Geburt hier saß und sich in das neue Leben nicht hineinfinden konnte. Und wie später ihre überreizten Nerven diesen Pulsschlag einer großen Stadt nicht vertragen wollten. Nun erlebt sie alles mit gesunden Sinnen und freut sich auf Arbeit und Kampf und auf die Überraschungen, die das Leben ihr noch zu bieten hat.
Auch der Kapitän findet am nächsten Abend bei der Begrüßung, daß man ihr die gesunden Nerven und die Unternehmungslust ansehe. Er kann es nicht oft genug versichern.
»Ja, Reisen wandeln den Menschen. Man sollte sich immer wieder einmal neue Luft um die Nase wehen lassen. Ich habe auch schon daran gedacht, daß es noch andere Häfen in der Welt gibt.«
»Hier ist es doch sehr schön«, meint Irmgard Pohl. »Ich will jetzt zu Hause bleiben und wieder Vaters Kompagnon werden. Was soll eine Frau auch allein auf Reisen!«
Ja, da habe sie recht. Darin muß der Kapitän ihr vollkommen zustimmen, eine Frau brauche einen Begleiter.