»Und sie denken doch kaum im Ernst daran, uns zu verlassen?« fragt Frau Pohl nicht ohne Besorgnis.
»Nein, nein, im Ernst noch nicht.« Für später hätte er daran gedacht. Aber es habe noch Zeit, noch bliebe er hier.
Und dann erzählt er wieder von seinen Reisen, von den vielfältigen Wundern in der Welt. Er spricht sehr lange und ausführlich, in seiner gleichmäßigen absatzlosen Art und mit Anstrengung in der Stimme. Schließlich kommt er wieder zu dem Resultat, daß es gut sei, zu reisen. Doch nicht allein. Das sei für keinen gut. Am wenigsten in der Fremde.
Es scheint schwer, zur rechten Zeit aufzuhören, wenn man in so gutem Fahrwasser ist. Irmgard, die sich vom Institut her an zeitiges Schlafengehen gewöhnt hat, wird sehr müde, als der Kapitän sich endlich verabschiedet.
»Findest du nicht auch,« sagt sie zum Vater, der den Gast noch begleitet hat, »daß der Kapitän im letzten Jahr sehr gealtert ist?«
»Nein,« erwidert Herr Pohl, »er blieb genau so, wie er war.«
»Aber jedenfalls ist er nicht mehr der jüngste«, meint Irmgard Pohl, die jetzt einen anderen Maßstab anlegt. »Und seine arme Stimme hat er sich auch bald ganz ausgeschrien.«
›So ist die Jugend!‹ denkt Herr Pohl resignierend und ein wenig bitter über so viel gedankenlose Grausamkeit. —
Wer könnte dem Kapitän jetzt seine gute Laune verderben! Er rennt im Hafen umher, als gäbe es keinen Schreibtisch mit einem Telephon, mit Briefen und Verträgen, die auch bedacht sein wollen. Fräulein Spandau muß ihn immer wieder in den Lagerhallen, auf den Kähnen oder ganz hinten bei den Schrott- und Kohlenbergen suchen, weil er gleichzeitig im Verwaltungsgebäude verlangt wird.
Um diesen Riesenbau macht er am liebsten einen recht großen Bogen. Er ist nie ein Freund von Schreibtischarbeit gewesen, lieber noch würde er beim Ausladen der Schiffe selbst mit anpacken. Am wohlsten aber war ihm immer, wenn er Planken unter den Füßen fühlte, und wenn die Welt begann, sich fortzubewegen, langsam gleitend, während er selbst feststand und unangefochten in ihr Getümmel sah, bis er außer Sehweite war und nur das Meer in seiner gewaltigen Einsamkeit ihn umgab.