Es ist nicht schwer, den Mühlenbesitzer Pohl zu erkennen, zumal er den Hut in der Hand hält und sein großer Graukopf unter den Strahlen der rotglühenden Abendsonne silbrig aufleuchtet. Er dreht dem Verwaltungsgebäude den Rücken und hat von dem Ankömmling nichts gemerkt.
Dem Kapitän konnte das Einfahren des bekannten Autos nicht entgehen. Er bleibt gleichfalls dem Hafenbecken zugewendet und spricht geflissentlich weiter.
Nur Irmgard Pohl sieht sich, durch das Surren des Motors abgelenkt, in weiblicher Neugierde unwillkürlich um.
Natürlich hat sie beim Betreten des Hafens daran gedacht, daß sie Joachim Becker zufällig begegnen könnte. Sie war sich auch über ihre stolze und abweisende Haltung, mit der sie ihm nun ihre Gleichgültigkeit dokumentieren mußte, vollkommen im klaren.
Was aber sind alle Vorsätze? Sie fühlt in der plötzlichen Begegnung mit seinem Blick, daß ihr Genick steif wird, daß sie jede Gewalt über den Ausdruck ihrer Augen verliert. Ihr Blut schießt vom Herzen in die entspannten Glieder, es klopft in den Schläfen, und sie hat nur den beseligenden Gedanken, nicht allein zu sein in dieser gewaltigen Rebellion. Denn auch Joachim Becker steht sekundenlang auf seinen Platz geschmiedet und ist nicht imstande, den starren, ärgerlich-strengen Blick von ihr zu lösen.
Erschreckend nah und mißtönig klingt plötzlich die Stimme des Kapitäns in Irmgards Ohren.
»Sie fürchten doch nicht um Ihr helles Kleid, Fräulein Irmgard, wenn ich Ihnen jetzt auch noch die Kohlenverladestelle zeige?« fragt er und hat gar keinen Klang mehr in seiner gepreßten Stimme.
Er redet sie aus unerklärlichen Gründen mit ihrem Vornamen an. Vielleicht weil er sich durch den Familienverkehr in seinen Gedanken daran gewöhnt hat.
Sie wendet ihm ihr glühendes Gesicht zu, doch sie weiß keine Antwort zu geben, denn sie hat nicht ein einziges Wort seiner Frage verstanden.
Der Kapitän beginnt, mit vielen fachwissenschaftlichen Ausdrücken von der Verladeanlage, von der Schutthöhe der Kohlenlagerung, von der Elektrohängebahn mit den Laufkatzen, von den Greifern und den fahrbaren Brücken und anderen wichtigen Einrichtungen im Führerton zu berichten.