›Ist es nicht eine Ungerechtigkeit!‹ sagt er sich an diesem Tage, an dem eine Begegnung ihn so in seinem ganzen Wesen aufstören konnte, ›daß du in deinem Innern nicht zur Ruhe kommen sollst! Du fällst in alte Fehler zurück, wirst unzufrieden mit dir, und wenn du vorwärts blickst, so türmen sich Berge auf, die für andere scheinbar nicht bestehen.
Aber was weißt du von deinen Mitmenschen und ihrem Tun? Einstmals glaubtest du, mit ihrem Studium fertig zu sein, und jetzt meldet sich der Drang, daß du einen nach dem anderen aufschließen möchtest und in seiner Seele erkennen.
Warum ist es dir nicht gegeben, sie zu meistern wie der Kommerzienrat oder sie zu übersehen wie dein Schwager?
Siehe, dieser Dr. Friemann, er hat die schönen Künste so vollständig in sich aufgenommen, daß er nun in jeder Gesellschaft darüber reden kann, er hat das Praktische studiert, und nun wird ihm durch eine kleine blonde Fürsorgeschwester ein angenehmer Kummer geschenkt. Sie ist ihm ein Ziel, zu dem nur der Weg Freuden bereitet; also seien wir nicht traurig, wenn es etwas länger währt. Ja, Felix Friemann ist ein fertiger Mensch, der mit sich und den anderen zufrieden ist.‹
Joachim Becker, der junge Generaldirektor jedoch, der vor den Frauen und bei den Gesprächen über die schönen Künste errötet, weil er die einen so wenig kennt wie die anderen, sitzt steif da und weiß nicht, während er den Vorgängen lauscht, ob er in der Pause ein bedeutungsvolles oder ein bedenkliches Gesicht zeigen soll.
Als sie schließlich in das Foyer gehen, hat er sich für seine alte kühle Maske entschieden.
Felix Friemann gesellt sich zu ihnen.
»Dieser Ibsen hat seine Probleme wirklich manchmal sehr weit hergeholt«, meint er überlegen. »Auf Wildenten haben wir übrigens damals in Norwegen auch geschossen.«
Die Familie Friemann begrüßt ihre Bekannten. Sie zeigen einander die berühmten Kritiker, und einige reden von dem »Stück«. Die Kommerzienrätin hat es sich zum Prinzip gemacht, nicht eher über eine Aufführung zu sprechen, als bis die Kritiken erschienen sind, und sie erwähnt frühere heftige Eindrücke.
Auch Rechtsanwalt Bernhard ist da. Er will sich traurig zur Seite stellen, da er Frau Adelheid zärtlich an den Arm ihres Mannes gelehnt sieht, aber Joachim Becker geht ihm entgegen und begrüßt ihn mit ungeheuchelter Freude.