Frau Adelheids Tochter in dem weißen duftigen Kleidchen begrüßt den Onkel Kapitän mit einem Knicks, der ihre Beine bis zum kurzen Saum des Spitzenröckchens verschwinden läßt. Sie kann fast von der Erde nicht wieder hochkommen. Dabei sind ihre runden dunklen Augen so ängstlich in die Höhe gerichtet, daß der Kapitän mit seinen spröden Händen zärtlich über ihre seidenweichen Locken fährt. Dieser einsame und gesottene Junggeselle.

Da kommt Felix Friemann gestikulierend an. Das ist eine vertraute Gestalt für die Kleine. Sie tappt ihm entgegen, und er hockt nieder, um sie mit seinen langen Armen aufzufangen.

So, nun hat er sie in seinem Reich. Er bittet sich die Erlaubnis aus, die Nichte führen zu dürfen und trippelt mit ihr davon. Er muß sich ein wenig bücken, damit sein Arm bis zu dem winzigen Geschöpfchen herabreicht, und stolpert bei den zierlichen Schritten fast über seine dünnen Beine.

Die Schiffer auf den Kähnen und die Hafenarbeiter stoßen einander an und ziehen die Gesichter krampfartig zusammen. Felix Friemann nickt ihnen zu und lacht. Da lachen sie auch. Und die kleine Tochter des Generaldirektors jauchzt und findet kein Ende mit ihren Fragen.

Frau Adelheid und der Kapitän folgen langsam nach. Zuweilen bleiben sie stehen, um einiges zu besichtigen.

Felix Friemann geht nun schon weit voraus. Er kann es nicht erwarten, der Kleinen Schwester Emmi und den großen Kran zu zeigen.

»Ach,« sagt Frau Adelheid zum Kapitän, als er ihre Tochter lobt, »ich wüßte wirklich nicht, was ich anfangen sollte, wenn ich sie nicht hätte.«

Sie bleiben stehen und plaudern noch über etwas, das Frau Adelheid sehr bewegt. Sie hat sich im geselligen Verkehr, der sie oft mit dem Kapitän zusammenführte, so vertrauensvoll an ihn angeschlossen, daß sie ihm manches Geheimnis ihres tapferen Herzens preisgibt.

»In letzter Zeit«, sagt sie mit zärtlichem Lächeln, »zeigt er viel mehr Interesse für sie. Er wird es wohl nie verschmerzen, daß er keinen Sohn hat und daß sie so gar nicht nach ihm geartet ist, aber denken Sie: er setzt sich mit ihr auf den Teppich und läßt sich an den Haaren zupfen und die Puppen zeigen. Neulich hat er eine Eisenbahn und ein kleines Schiff gekauft. Das hat er ihr dann alles erklärt, ach wissen Sie, so ungeschickt für Kinder, sie hat gar nichts verstanden und machte bald alles entzwei. Aber es war so schön, wie er da mit ihr saß und sprach und sprach, daß ich — ach, jetzt werden Sie mich sentimental finden. Ich mußte rasch hinausgehen und weinen.«

Der Kapitän schweigt.