»Manchmal«, erzählt sie weiter, »ist er zu lebhaft für sie. Er macht zu heftige Bewegungen oder er wird ungeduldig, weil sie ihn nicht versteht, dann weint sie und will von ihm fort. Das trifft ihn immer so hart, daß er schweigend in sein Zimmer geht und niemand sprechen mag. Zuweilen kann er das tagelang nicht vergessen, und ich zerbreche mir den Kopf, wie die Kleine ihn wieder versöhnen könnte.«
»Aber es ist doch noch ein unvernünftiges Kind,« meint der Kapitän tröstend, »man darf ihm doch keinen Vorwurf machen.«
»Nein, das darf man nicht.«
»Ich glaube,« sagt der Kapitän langsam, während sein Blick Frau Adelheids blasses Gesicht mitleidsvoll streift, »ich glaube, ihm fehlt die Güte.«
»Nein!« protestiert Frau Adelheid lebhaft, »nein — die Güte fehlt ihm nicht!«
Der Kapitän sieht bestürzt zu Boden. Hat er nicht zum erstenmal seinen Platz in der Mitte verlassen?
»Verzeihen Sie mir,« sagt er leise, »Sie müssen es wohl besser wissen —«
Indessen erklärt Felix Friemann dem Kinde den großen Zeiger, der in weitem Bogen seine Lasten herumführt und neben ihnen absetzt.
»Sieh, da oben ist der Mann, der ihn lenkt. Er drückt auf einen Hebel, und da wandert das schwarze Ungeheuer wieder leer zum Schiff zurück.«
Aber seine Nichte hat kein Interesse dafür. Vielleicht fürchtet sie sich auch vor dem Kran. Jedenfalls zieht sie das Gesicht weinerlich herab. Nicht einmal Schwester Emmis Überredungskunst gelingt es, ihr einen Begriff von der Großartigkeit der Hafeneinrichtungen beizubringen. Sie muß sich etwas anderes ausdenken, bis Frau Adelheid mit dem Kapitän nachkommen und ihre Tochter in Empfang nehmen wird.