In Arosa war es, in jenem schneereichen Januar, da sie und Joachim Becker ihre erste gemeinsame Reise unternahmen, ihre Hochzeitsreise. Lachend, in munteren Gesprächen promenierten die sorglosen, lebensfrohen Menschen vor den großen Hotels. Der Schnee knirschte unter ihren Schritten, er leuchtete ringsum; über den Dächern im Tal und mit blauem Schimmer von den Bergen. Die Sonnenstrahlen fielen wärmend durch die klare Luft. Bobsleighs sausten lautlos in der Ferne zu Tal.

Junge Mädchen in bunten Jacken, ihre Begleiter mit rotbraunen Gesichtern über weißen Sweatern zogen die Rodelschlitten hinter sich her, hatten die Skier geschultert und eilten zu den Sportplätzen. Kunstläufer schleiften ihre schwungvollen Bogen über das spiegelnde Eis.

Hier hatte Adelheid Friemann einst mit ihren Eltern still beobachtend gestanden und davon geträumt, wie sie mitleben, mitjagen würde auf den weißen Bahnen, unter lauten jubelnden Schreien, wenn auch sie einen Begleiter an der Seite hätte. Groß mußte er sein, schön, energisch. Damals schon hatte sie an den Prokuristen ihres Vaters gedacht, den sie nicht vergessen konnte, seitdem sie ihn einmal auf dem langen Korridor im ernsten Geschäftshaus hatte vorbeieilen sehen.

Und dann stand sie an derselben Rodelbahn, Joachim Becker an ihrer Seite. Ihr Mädchentraum, ihr sehnlicher Wunsch war erfüllt. Aber sie waren wieder nur stille Beobachter. Keine überschäumende Lebensfreude trieb sie an. Joachim Becker sah mit spöttischen Blicken in das Getriebe und dachte an seine Arbeit.

»Wollen wir uns nicht auch einen Schlitten nehmen?« hatte sie schüchtern, mit verhaltener mädchenhafter Freude am Spiel gefragt.

»Nein,« hatte er fast brüsk erwidert, »ich habe keine Neigung, mich mit diesen Nichtstuern herumzutollen.«

Sie mußte zugeben, daß er zu ernst, zu bedeutsam für diese kindischen Spiele war. Ihre Liebe stellte sich willig auf seine Gedankengänge ein, und sie begann, die flirtende Jugend gleichfalls mit Überlegenheit zu kritisieren. Aber sie fühlte sich einsam und nicht mehr jung.

Ihr Mann bekam seine Arbeit nachgesandt. Täglich war sein erster Gang zum Postempfang. Er nahm die dicken Briefe mit den Plänen und den Offerten für den Hafenbau und ging in sein Zimmer. Sie stellte sich indessen ans Fenster und sah auf die sorglose fröhliche Jugend herab.

Die lauten Stimmen, die harten Schritte der Sportschuhe in den Korridoren störten den jungen Direktor in seiner Arbeit. Er wurde nervös und reizbar.

»Wollen wir uns nicht auch Skier geben lassen und Ausflüge machen, um dem Lärm zu entgehen?« fragte sie wieder, als er über die Störung ungehalten war.