»Zählen Sie!« vernimmt sie eine Stimme hart und nah.
Sie vermag den Mund nicht zu öffnen. Aber immer geräumiger wird mit jedem tiefen Atemzuge die unwirkliche Welt. Da beginnt mit leuchtenden Farben und leichten Melodien fernste Vergangenheit vor ihr aufzuklaffen: sie selbst, Adelheid Friemann im duftigen Tüllkleid, ganz jung und ohne Schwere, schwebt in fließenden Tänzen; Alfred Bernhard an ihrer Seite, und Helene Uhl, die lachende Freundin, gleitet mit ihrem Bruder Felix vorbei.
Von weit her, unendlich gezogen, als tropfen sie nur langsam in ihr Bewußtsein, hört sie die Worte:
»Vorsichtig! Denken Sie an das schwache Herz der kleinen Frau — Frau — Frau —«
Das Wort wird zum gedehnten Gesang, es nimmt kein Ende; die sphärischen Melodien verströmen darin und brechen plötzlich klirrend ab. —
Adelheid Becker kehrt mählich, aus unsagbar süßem Schweben über wehenden Luftwellen, in Bewußtheit und zu neuem Leben zurück.
Die Stimme der Mutter nimmt sie milde, heimatlich auf.
Sie öffnet die Augen.
Bleich, in Zartheit und Liebe verklärt, ist das Antlitz der Mutter vor ihrem ersten Blick.
»Wir haben getanzt, Mutter. Helene Uhl war da, Alfred Bernhard und Felix. Es war so schön.«