Sie spricht noch mühselig und langsam, ihre Stimme aber ist kindlich hoch und hell.

Die Geräusche rücken immer näher zu ihr heran; sie fühlt die Lippen der Mutter auf ihren Händen.

»Ist noch jemand hier?« fragt sie, als ahne sie die Nähe des Vaters und ihres Mannes.

»Ja«, vernimmt sie Joachim Beckers Antwort.

Sie versucht sich aufzurichten, doch die Hände der Krankenschwester drücken sie sanft in die Kissen zurück. Da erspäht sie aus halb geöffneten Augen sein herabgeneigtes Gesicht. Prüfend, erstaunt gleitet ihr Blick über die Falten auf seiner Stirn, zu der senkrechten Kerbe, die wie eine Narbe tief zwischen die Brauen schneidet, und bleibt auf den trüben, fast entzündeten Augen haften.

Ihre Lider fallen müde herab. Joachim Becker richtet sich schwankend auf. Sie hat kein Wort für ihn.

Dann fühlt sie den Druck einer breiten weichen Hand auf ihrer Stirn. Vertraute Wärme dringt in ihre Haut ein. Der Atem des Vaters streift ihr Gesicht.

Sie öffnet die Augen und lächelt ihm zu.

Joachim Becker ist so vermessen oder so trostbedürftig, daß er sich in dieser Stunde auch nach einem Lächeln Adelheids sehnt. Er stellt sich noch einmal neben ihr Bett und küßt ihre Hand. Da schließt sie wieder die Augen und flüstert, von Grauen erfaßt:

»Der Hafen! Nun weiß ich es: der Hafen ist schuld.«