Eines Tages geht Kommerzienrat Friemann in das Arbeitszimmer seines Schwiegersohnes und bleibt einen Augenblick in der Mitte des großen Raumes stehen.

Joachim Becker denkt, daß er das gleiche energiegesammelte Gesicht habe wie einst, als er einen für sie alle entscheidenden Schritt unternahm. Damals sagte er ohne Einleitung mit festem Blick: »Ich habe gehört, daß meine Tochter Sie liebt. Wie stellen Sie sich dazu?« Joachim Becker stand auf und sagte entschlossen, ohne die Augen zu senken: »Ich bitte um ihre Hand.«

Heute kann er dem Blick seines Schwiegervaters nicht offen begegnen. Und der Kommerzienrat sagt, während seine tonlose Stimme leise schwankt:

»Meine Tochter hält es für gut, daß die Scheidung eingeleitet wird.«

Joachim Becker ist aufgesprungen. Er steht ein wenig gebeugt da und stützt eine Hand auf die Schreibtischplatte.

»Kann ich sie nicht selbst sprechen?« fragte er leise, ohne hochzublicken.

»Sie will dich erst wiedersehen, wenn die Scheidung vollzogen ist.«

Darauf vermag er nichts zu erwidern. Unwillkürlich bleibt der Ton dieser Worte noch in seinen Ohren hängen. Klang die vertrauliche Anrede nicht zögernd?

»Ich habe bereits mit Rechtsanwalt Bernhard gesprochen. Er hat die Vertretung abgelehnt.«

Er sieht erschreckt auf. Scheut man sich schon, für ihn tätig zu sein? Sagen sich jetzt alle von ihm los?