»Er kann es weder für dich noch für Adelheid übernehmen und gibt vor, daß er euch beiden menschlich zu nahe stehe. Er hat einen Kollegen empfohlen, und du wirst dich wohl selbst nach einem Rechtsvertreter umsehen? Ich nehme an, daß du gegen Adelheids Vorschlag nichts einzuwenden hast und daß wir uns alle Erörterungen sparen können.«
Der Kommerzienrat wendet sich ohne ein versöhnendes Wort um. Er hat nicht nur seinen Erben und das einzige Enkelkind verloren, nein: nun gibt er auch den auf, der ihm allmählich ein zweiter Sohn werden sollte. So wie er die Hoffnung nicht sinken ließ, daß ihm der Sohn auch noch ein tüchtiger Mitarbeiter würde, so glaubte er bis jetzt, daß der durch die Arbeit ihm Verbundene auch innerlich der Seine werden könnte.
Er geht nun leer davon, mit schwerfälligen Schritten, aber er ist nicht so grausam, ohne einen letzten Blick zu scheiden. Sein unermüdlicher Helfer der Arbeit steht noch halbgebeugt da. Das Kinn ist ihm auf die Brust gesunken.
Da sagt der Kommerzienrat leise: »Adelheid hat mir ausdrücklich einen Gruß für dich aufgetragen.«
Diese Botschaft hatte er verschweigen wollen! Er richtet sie im letzten Augenblick mit großer Mühe aus.
Die Tür klappt. Joachim Becker hebt den Kopf. So hat er sich seine Befreiung aus der erzwungenen Ehe kaum vorgestellt.
Er denkt an Adelheids Worte, die letzten, die er aus ihrem Munde vernahm: »Der Hafen ist schuld!« Aber jetzt weiß er, wer der wahre Schuldige ist. Er ist nicht mehr so feige, die Schuld auf sein Werk abzuwälzen. Nun nimmt er alle Anklagen freimütig auf seine Schultern, und er kennt keine Schonung mit sich selbst.
Doch auch das Schicksal hat nicht viel Erbarmen mit ihm, es erspart ihm keine Demütigungen und keine Enttäuschungen. Denn noch ein anderer kommt nach einigen Tagen in sein Arbeitszimmer, um ihm eine wichtige Mitteilung zu machen: der Kapitän.
Nun müsse er um seinen Abschied bitten, sagt er ohne viele Umschweife. Seine alte Reederei habe wieder Verwendung für ihn, und aus bestimmten Gründen könne er nicht lange warten.
Der junge Generaldirektor lehnt stumm in seinem Sessel und nimmt die Mitteilung als eine gerechte Strafe hin. Er glaubt die Gründe zu kennen, die den Kapitän zu einem schnellen Abschied zwingen. Kann es etwas anderes sein, als daß er mit Irmgard Pohl einig geworden ist und sie so bald wie möglich von der Nähe des Hafens fortführen will, damit sie keinen unliebsamen Begegnungen mehr ausgesetzt ist?