Er sieht in seiner Beklommenheit ein wenig im Raume mit den gelben Möbeln und den alten Stichen an den Wänden umher.

Das Bild eines Mannes mit tiefliegenden Augen, starken Backenknochen und einem vollen weichen Kinn über dem Vatermörder ist ohne Zweifel der Begründer der Mühle; eine auf Holz gemalte Windmühle zeigt den anfänglichen Besitz. Stahlstiche stellen kleinere Speicher und Mühlenbetriebe dar, und auf einer Zeichnung, offenbar ein Entwurf des Bauherrn, sieht man die beiden zweistöckigen Gebäude in ihrer heutigen Gestalt.

Er bleibt vor einer Photographie stehen, die das Hafenterrain mit der Kirche, dem Fräuleinstift und einigen kleinen Häusern neben den alten Linden zeigt, so wie es noch vor einem halben Jahr ausgesehen hat, ehe das Konsortium kam und alles niederreißen ließ. Nun dringt das Geräusch der großen Bagger und der Lärm der Arbeiter bis in diesen einsamen Raum.

Dem Rechtsanwalt erscheint die Wartezeit endlos, er ist sehr nervös, als der Mühlenbesitzer, in einer grauen Joppe und hohen Stiefeln, endlich eintritt, die Mütze auf einen Haken neben der Tür hängt und ihn zum Schreibtisch bittet.

Er läßt sich im runden Sessel nieder und ersucht ihn nur mit einem Blick aus seinen ruhigen hellen Augen zum Sprechen.

Der Rechtsanwalt redet hastig und viel. Er erkennt, daß es schwerer ist, vor diesem schweigsamen, reifen Mann zu sprechen, der jeder Pause mit stummer Aufmerksamkeit begegnet, als vor dem jungen Hafendirektor das Wenige zu sagen, das dieser in seiner Ungeduld zuläßt.

Als er endlich glaubt, nichts mehr hinzufügen zu können, hat er das verzweifelte Gefühl, alles verdorben zu haben. Er blickt verlegen auf die vollen grauen Haare des Mannes, die sich in einer breiten Welle von der gebräunten Haut abheben, und wartet nun endlich auf eine Antwort.

»Das ist alles recht, was Sie hier sagen. Aber Sie sind nicht ganz im Bilde. Nehmen Sie an, daß jemand zu Ihnen spricht: ›Sie haben da eine schöne Tasche, die ich gern kaufen möchte.‹ Und Sie antworten: ›Nein, verkaufen will ich sie nicht, weil für mich wertvolle persönliche Erinnerungen damit verknüpft sind; aber weil ich Vertrauen zu Ihnen habe, können Sie die Tasche gern in Gebrauch nehmen und gleichsam als Ihr Eigentum betrachten, ebenso wie es das meine bleibt.‹ Der andere nimmt die Tasche mit und schickt Ihnen am nächsten Tage das Geld dafür, gut den doppelten Wert. Schließlich läßt er sich sogar auf Verhandlungen ein und sagt: ›Ein wenig darfst du an der Tasche teilhaben, wenn du dich diesen und jenen Bedingungen unterwirfst.‹ Sagen Sie einmal, wie würde Ihnen das gefallen?«

Er sieht den Rechtsanwalt lange an. Dieser hat die Absicht, nun gleichfalls zu schweigen, bis der andere genügend gesprochen hat. Aber er fühlt sich sehr unbehaglich dabei.

Nach einer endlos scheinenden Pause setzt der Mühlenbesitzer langsam fort: