Herr Pohl steht auf und kommt hinter seinem Schreibtisch hervor. Wie, das wäre wohl noch schöner, wenn er sich auf diese Weise von ihm verabschieden sollte! Er drückt dem Kapitän beide Hände und meint, daß er ihn heute nicht so rasch freigeben würde.
»Ich denke, wir werden noch ein Glas Wein miteinander trinken, wie seinerzeit, als Sie den ersten Besuch bei uns machten?« fügt er herzlich hinzu.
Der Kapitän muß sich leider einen längeren Aufenthalt versagen. Er sei für heute abend von Kommerzienrat Friemann eingeladen.
Er schenkt den letzten Abend nicht den Zufriedenen, sondern den Einsamen, vom Schicksal Geschlagenen, denn der Kommerzienrat ist nun allein in seinem großen Haus und dürfte etwas Gesellschaft gebrauchen. Frau und Tochter sind im Bade, und nur stille Ablenkung kann ihn zeitweise den Sohn vergessen lassen, der das Haus einst mit Lärm und Fröhlichkeit erfüllte.
Herr Reiche will in der kurzen Zeit, die dem Kapitän hier noch verbleibt, nicht mit seinen Arbeiten störend dazwischen sitzen. Er verabschiedet sich vom Kapitän, der auch ihn immer zufriedengestellt hatte.
Der Kapitän sieht ihm einen Augenblick nach, wie er mit seinen Papieren geruhig und selbstbewußt abzieht.
Herr Pohl fängt den Blick auf und sagt: »Ja, der ist hier nun glücklich und gut aufgehoben.« Aber er bereut seine Worte sofort, weil der Kapitän so ertappt zusammenzuckt, als habe man ihm diesen Gedanken von der Stirn gelesen und ihm, dem Mann in der Mitte, gar Neid zugetraut.
Irmgard hat bisher schweigend auf ihrem Platz im alten Ledersofa gesessen. Plötzlich steht sie neben dem Kapitän. Sie nimmt ihn am Arm und sagt:
»Nun dürfen wir aber keine Zeit mehr verlieren. Sie müssen gleich mit hinüberkommen, damit wir noch etwas plaudern können.«
Der Kapitän lacht über das ganze Gesicht, so daß die trockene braune Haut sich in unzählige kleine Falten legt. Einen so guten Empfang hat er, weiß Gott, nicht erwartet.