»Können Sie sich vorstellen, daß zum Beispiel mein Schwiegersohn dasselbe getan hätte, wenn er sich die Schuld an einem großen Unglück hätte zuschreiben müssen?«
»Nein.«
»Und warum nicht?«
Das ist eine schwere Frage an den Kapitän. Er findet keine neutrale Antwort und schweigt.
»Dann will ich es Ihnen verraten,« sagt der Kommerzienrat, »weil ihn die selbstgewählte Arbeit fesselt. Ich glaube, das ist die stärkste Bindung an das Leben. Die Arbeit, der man sich mit Liebe hingibt, kann niemals enttäuschen. Sie holt aus sich selbst die neue Kraft, während die erzwungene Arbeit ständig ermüdet.«
»Und wenn sie vom Ehrgeiz angetrieben wird?« fragt der Kapitän zögernd.
»Es war nicht Ehrgeiz,« erwidert der Kommerzienrat, »seine Liebe zur Arbeit war echt. Über alles andere hat er uns und — ich glaube — auch sich selbst getäuscht.«
Der Kapitän fühlt sich zum zweitenmal beschämt. Vater und Tochter, die vielleicht mehr Grund gehabt hätten, Joachim Becker zu verurteilen, müssen ihn Gerechtigkeit lehren.
»Verzeihen Sie«, sagt er leise. »Ich habe ihn als Menschen zu wenig gekannt.«
Er sieht ein, daß es höchste Zeit für ihn ist, vom Schauplatz der Gefühle endgültig abzutreten und seinen festen Stand in der Mitte nicht mehr zu verlassen. —