Am nächsten Tage werden die alten Möbel zum Seiteneingang des Verwaltungsgebäudes wieder hinausgetragen. Der kleine Herr mit dem braunen Gesicht und dem gespreizten Gang, den Frau Reiche damals durchaus nicht für den neuen Hafendirektor halten wollte, hält seine Liste in der Hand und prüft wiederum, ob alles in Ordnung sei.
Dann geht er still für immer aus dem Hafentor hinaus ...
Frau Reiche kann ihn diesmal nicht beobachten, sie ist Inhaberin eines Zigarrengeschäfts und hat mindestens für einige Zeit einen eleganten jungen Geschäftsführer.
In der Kantine sind neue Leute, die nun für den Generaldirektor selbst das Essen zu beschaffen haben. Fräulein Spandau muß sich neben einer anderen Sekretärin an zweiter Stelle einfügen. Sie sah dem scheidenden Kapitän mit großer Trauer nach, denn sie war immer mit ihm zufrieden. Aber sie ist von der Art, die mit der Treue und Dankbarkeit eines guten Hundes jedem Herrn dient.
Vielleicht ist Joachim Becker in dieser Wohnung noch einsamer als sein Vorgänger, denn neben seinem Schreibtisch steht kein Geigenkasten, den er in den Abendstunden öffnen kann. Dafür hat er sich einige Bücher hingelegt, die ihm die Liebe der Menschen ersetzen sollen.
Seine »Stützpunkte« an der Küste und im Binnenlande sind errichtet; er hat sich mit Hilfe seiner erweiterten Tankanlage das Benzinmonopol für die Stadt erobert; man baut ihm einen großen Güterbahnhof zur Unterstützung neben seine Freiladeplätze. Er braucht nicht mehr in den Hafen zu fahren, um die geleistete Arbeit zu betrachten. Er kann sie nun von seinen Fenstern aus fast überschauen. Doch wenn sein Blick auf einen Kran fällt, beißt er die Zähne zusammen.
An einem der letzten warmen Herbsttage, als der Generaldirektor nach Arbeitsschluß ein gerichtliches Dokument weggeschlossen hat und in seinem Zimmer wieder ruhelose Wanderungen unternimmt, fährt ein Wagen im Hafen vor, und Rechtsanwalt Bernhard springt heraus.
Er schließt nicht den Wagenschlag, sondern hebt eine Hand und hilft Frau Adelheid Becker beim Aussteigen.
Da ist sie also noch einmal im Hafen. Sie blickt sich aufatmend um, sie sieht auch einen Kran, aber sie zuckt nicht zusammen. Jetzt ist sie so weit, daß sie der Welt wieder gerade ins Gesicht blicken kann. So sind die Frauen! Die Männer beißen die Zähne zusammen und machen den vergeblichen Versuch, etwas zu unterdrücken; die Frauen richten sich auf und fangen von neuem an.
Frau Adelheid nickt Rechtsanwalt Bernhard zu und sagt: