Dann sieht sie ihm wieder ins Gesicht und sagt:

»Ich wußte, daß du damals so gut wie verlobt warst. Trotzdem hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, dich für mich zu gewinnen. Wenn es mir nicht gelang, so lag es daran, daß du zu aufrichtig warst. Du hast niemals geheuchelt, so daß ich dich nur noch immer mehr lieben mußte. Wenn du besonders gut zu mir warst, so hatte ich dich für kurze Zeit mit meiner Liebe bezwungen, doch in deinem Herzen bist du einer anderen treu geblieben.«

Sie ist sehr rot geworden und blickt starr gegen die Fensterscheiben. Er schweigt.

»Ich hätte Achtung davor haben sollen, anstatt dich zu quälen«, spricht sie weiter. »Aber da war unsere Tochter —«

Ihre Stimme beginnt nun doch zu schwanken. Joachim Becker ist so hilflos, daß er ihr nicht einmal beisteht, sondern sie weiter nach Worten suchen läßt.

Frau Adelheid sieht, wie es um ihn bestellt ist, und da findet sie selbst die Kraft, beiden zu helfen.

»Das ist jetzt alles vorbei, und ich denke, daß wir nun, nachdem uns nichts mehr äußerlich bindet, gute Freunde werden könnten.«

Sie reicht ihm ihre kleine Hand, von der sie noch rasch den Handschuh abgezogen hat, damit er den warmen Druck ganz unmittelbar verspüren kann.

Er neigt sich so heftig darüber, daß sie etwas atemlos sagen muß:

»Unten wartet Rechtsanwalt Bernhard, er wollte dich auch begrüßen.«