»Wissen Sie noch, Adelheid, wie wir damals nach der ersten Tanzstunde zum ›Historischen Gasthof‹ fuhren?«
»Ja.« Sie zieht den starren Blick erschreckt ein und betrachtet die herbstlich bunten Bäume in den Gärten, die sich nun jenseits der Straße mit ihren prunkvollen Villen im Hintergrund ausdehnen.
»Es war auch so ein warmer Herbsttag wie heute«, setzt er fort, während er bemerkt, daß sie an der nächsten Kurve in ihre Straße einbiegen. »Helene Uhl war damals mit und — und —«
»Ja, Felix war auch dabei. Ich entsinne mich noch genau«, sagt sie tapfer, nachdem er stockte, diesen Namen auszusprechen. »Während meiner Krankheit habe ich einmal geträumt, daß wir tanzten. Sie und ich und Felix mit Helene Uhl. Es war sehr schön.« Sie spricht dieses »schön« wieder so kindlich verzückt aus wie damals beim Erwachen aus der Narkose, als sie im Halbbewußtsein der Mutter davon erzählte.
Das hohe Gitter der Friemannschen Villa ist bereits zu sehen, da springt Alfred Bernhard plötzlich auf und sagt zum Chauffeur, während sich seine Stimme fast überschlägt:
»Fahren Sie zum ›Historischen Gasthof‹!«
Adelheid sieht ihm erstaunt zu, aber als er sich neben ihr niederläßt, sagt sie, wieder vollkommen gefaßt:
»Ach, das ist wirklich eine gute Idee.«
Dann sitzen sie eine Weile stumm da und beobachten den Chauffeur bei seinen Bemühungen, den Wagen zu wenden. Alfred Bernhard fühlt, wie die Hitze, die im entscheidenden Augenblick in ihm aufstieg, langsam verebbt. Während sie wieder auf geraden Straßen dahingleiten, gelingt es ihm sogar, anregende Gesprächsstoffe zu finden, die sie zuweilen veranlassen, ihn anzusehen oder ihm ein Lächeln zu schenken.
Dann steigen sie vor dem Gasthof aus, der zwischen den alten Bäumen hervorlugt und an diesem herbstlichen Wochentage anscheinend keine anderen Besucher als sie beide angelockt hat. Adelheid bleibt vor dem Eingang stehen und blickt zu der Inschrift mit den verschnörkelten alten Buchstaben hoch.