»So haben Sie auch damals hier gestanden und die Tafel entziffert«, sagt er erinnerungsselig.

»Ja, und dann haben Sie mir die Jahreszahl ›übersetzt‹, weil ich die römischen Ziffern niemals lesen kann.« Sie sieht ihn dabei mit diesem reizenden, sorglosen Lächeln an, nach dem er sich so lange gesehnt hat.

»Achtzehnhundertachtundvierzig ist das«, erwidert er, ohne den Blick von ihrem Gesicht fortzunehmen, das nach seiner Ansicht noch genau so jung aussieht wie damals vor sechs Jahren.

Sie errötet auch wieder, weil die anhaltende Betrachtung ihrer bescheidenen Person sie immer verlegen macht. Dann gehen sie über die alten Fliesen des Flurs zum Garten, der hinter dem Hause liegt. In stummer Vereinbarung steuern sie sofort auf den gleichen Tisch zu, an dem sie damals zu viert gesessen hatten. Felix Friemann, der zu jener Zeit in die langgliedrige lustige Helene Uhl verliebt war, hatte den Platz ausgesucht, der ganz im Hintergrund, zwischen der historischen Eiche und einer hohen Hecke, versteckt ist. Er war immer findig im Ausspüren solcher Gelegenheiten, und es liegt nahe, daß die beiden nun wieder an ihn denken.

»Und wie mag es Helene Uhl wohl jetzt gehen?« fragt Adelheid gedankenschwer.

»Sie ist verheiratet.«

»Ja, ich weiß, sie hat zwei Kinder. Man erzählte es einmal. Ich habe sie kaum gesehen, seit Felix sich nicht mehr für sie interessierte.«

Ein Mädchen kommt aus dem Haus. Rechtsanwalt Bernhard bestellt Kaffee und Kuchen.

»Sie ist neulich bei mir gewesen«, sagt er, nachdem das Mädchen gegangen ist.

»Wer?«