»Helene Uhl.«
»Helene Uhl, bei Ihnen in der Praxis?« fragt Adelheid leise, fast im Flüsterton.
Er nickt. »Sie will sich scheiden lassen.«
»Und die Kinder?«
»Ich habe ihr eben deswegen zugeredet, es doch noch weiter zu versuchen. Aber sie sagte, dann müßte sie seelisch zugrunde gehen. Ihr Mann ist ihr nicht treu.«
»Vielleicht hätte sie doch unseren Felix nehmen sollen. Dann wäre alles anders gekommen.« Sie sitzt mit geschlossenen Augen da und mag sowohl an Schwester Emmi wie an den furchtbaren Kran denken.
»Ja«, erwidert Alfred Bernhard und müht sich um irgendein passendes Wort ab, das noch hinzugefügt werden müßte, damit sie wieder die Augen öffnet und ihn ansieht. Und dann sagt er ganz leise, während die Stimme bei einzelnen Silben den Ton versagt:
»Manchmal ist die erste Liebe die richtige, und man weiß es nicht.«
»Ja«, erwidert sie, ohne die Augen zu öffnen. Sie hat sich gegen das rauhe Holz der breiten Bank zurückgelehnt und reicht ihm ihre Hand hin. Er sitzt in einigem Abstand neben ihr, sie braucht nicht nach ihm zu tasten, er greift sofort mit beiden Händen zu.
Als sie seine brennenden Lippen auf ihren kühlen Fingern spürt, öffnet sie die Augen und blickt auf den herabgeneigten Kopf mit dem knabenhaft schlanken Nacken. Sie hat sich hochgerichtet und sitzt einen Augenblick mit steifem Rücken da, während sie ihm die Hand zart zu entziehen sucht. Er gibt sie frei, aber sein Kopf sinkt auf ihre Knie herab, und sie spürt den heißen Atem durch den Stoff ihres Kleides.