Man hat die Schiffer lange darauf vorbereitet, daß es erwünscht wäre, wenn am 1. Mai recht viele von ihnen hier anlegten und sich den staunenden Gästen präsentierten.
Gegen elf Uhr fahren die Wagen vor. Sie müssen hinter dem Tore halten, und bald ist die Straße bis zur Föhrbrücke gesperrt. Immer neue Menschenmengen strömen herein. Sie kommen einzeln und in Gruppen: die Herren von der Regierung und von den Kommunen, von Handel, Industrie und Gewerbe, die Schaulustigen und die Damen.
Vor dem Verwaltungsgebäude ist eine geschmückte Rampe errichtet. Hier soll der Hafen gewissermaßen aus der Taufe gehoben werden. Die Reden sind vorbereitet, und die Schiffer auf dem Wasser hinter dem Rednerpult setzen sich neben ihre bekränzten und bewimpelten Kajüten und denken, daß sie diesmal auch etwas zu hören bekommen.
Die Gäste promenieren und sehen sich staunend um, bis sie an der Kanzel versammelt werden, weil der erste Redner erscheint.
Es ist der Oberbürgermeister, der sie im Hafen begrüßt und dann nicht minder erhebende Worte spricht als vor vier Jahren zum ersten Spatenstich.
Dann folgt der Vertreter der Regierung, und das ist diesmal der Handelsminister selbst.
Es reden die Exponenten von Industrie, Handel und Finanz, und die Zuhörer werden schon etwas müde, als Joachim Becker, der junge Generaldirektor und Anreger zu diesem Werk, die Schlußworte spricht.
Er faßt sich sehr kurz. Er sagt, daß er nicht viel Worte zu verlieren brauche, denn heute sprechen die Erfolge selbst. Er ladet zu einer Besichtigung der Hafenanlagen ein, dann werde jeder sehen, daß dieser neue große Binnenhafen ein wichtiger Faktor im deutschen Wirtschaftsleben sei, der seine Existenzberechtigung bewiesen habe.
Er spricht diesmal nicht von Kampf, Mut und Ausdauer, nicht vom »Größten«, das alles andere übertrumpfen soll, oder von einer Weltmacht. Er sagt »Urteilt selbst«, dankt für das Interesse und verneigt sich.
Dreißig große, mit Nummern bemalte Schilder stehen da, die von den Bureaudienern und Boten der Generaldirektion an hohen Stangen getragen werden; ebenso viele Führer, die mit dem Hafen vertraut sind, haben die Pflicht, für die Einteilung der Erschienenen in Gruppen zu sorgen und ihnen die Anlagen zu erklären.