Joachim Becker steckt das Telegramm in die Tasche und geht damit eine Weile tatenlos umher. In seinem energischen schmalen Gesicht, auf der klaren hohen Stirn ist ein ungewohntes stilles Leuchten. Er greift noch einmal nach dem Papier, und er mag dabei denken, daß eine Schuld nun ausgestrichen sei.

Wie er dem Justizrat Bernhard begegnet, wird er so kindisch in seiner Freude, daß er ihm das Telegramm zeigt und einleitend sagt:

»Ihr Neffe hat mir aus Venedig telegraphiert. Sie glauben nicht, wie ich mich darüber freue.«

»So, ist er jetzt in Venedig?« fragt der Justizrat. Dann gibt er ihm das Papier zurück und meint: »Ja, er ist ein braver Bursche, der Alfred. Ich glaube, daß er noch ein gesuchter Rechtsanwalt wird.«

Dann gehen sie, ein jeder seines Wegs. Der Justizrat ist zwar diesmal befriedigt, weil er die Rede des Oberbürgermeisters vorher durchgesehen hat, aber er denkt: ›Ganz richtig ist das nicht, daß der Junge dem ersten Mann seiner Frau gratuliert. Nun wollen sie wohl gar gesellschaftlich miteinander verkehren? Es wird doch immer noch allerhand Vorsicht außer acht gelassen.‹ Und er schüttelt bedenklich sein graues Haupt.

Redakteur Undlet und der ausländische Pressevertreter, mit dem er sich damals, beim ersten Spatenstich, zusammenfand, ist auch wieder da. Sie haben inzwischen beide die Blätter gewechselt, aber sonst sind sie die gleichen geblieben.

»Was sagen Sie nun?« fragt Undlet interessiert.

»Hm. Sie haben ganz Tüchtiges geleistet. Etwas bescheidener sind sie geworden.«

»Bescheidener? Ich denke doch, daß sie in kürzester Zeit ausgeführt haben, was sie versprachen.«

»Ich meine nur, daß sie jetzt nicht mehr soviel Worte machen.«