Nun betrachtet Herr Karcher sie beinahe als einen festen Besitz, und es ist merkwürdig: irgend etwas fehlt ihm dabei. Wenn sie mit Herrn Gregor oder Dr. Friemann tändelte, so hat sich sein Herz immer so wehmütig zusammengezogen, aber es war ein unvergleichlich schöner, süßer Schmerz, der ihn den ganzen Tag begleitete und seinem Leben eine melancholische Melodie gab.
Dieser Schmerz ist heute, da er von ihr bevorzugt wird, wie ausgelöscht, und dem leidgewohnten unvernünftigen Herzen fehlt ein treuer Gast.
Wie nun Joachim Becker den beiden entgegenkommt, sieht Schwester Emmi rasch prüfend an sich herab. Sie zieht die Handschuhe glatt und hebt die Lackspitze eines Schuhs bis hoch oben zum Seidenstrumpf, um einen winzigen Fleck fortzuputzen. Dann befeuchtet sie die Lippen und geht dem Generaldirektor mit einem reizenden Lächeln entgegen.
Joachim Becker begrüßt sie sehr liebenswürdig und drückt ihr sogar die Hand.
»Ja, Schwester Emmi,« sagt er, »nun, da die Einweihungsarbeiten vorüber sind, werden wir beide uns einmal zusammensetzen und versuchen, wie wir nach dem Entwurf von Dr. Friemann die Fürsorgestelle erweitern können.«
Dann plaudern sie noch ein wenig. Herr Karcher steht schweigsam daneben, und siehe: da ist er wieder, der unvergleichlich schöne, süße Schmerz. —
Das große Fest im Hafen kann auch dem Nachbarn nicht entgehen. Die offiziellen Nachrichten dringen überall hin, und für die Verbreitung der internen Mitteilungen in der Familie Pohl hat Schwester Emmi wieder gesorgt, seitdem der Kapitän nicht mehr als gern gesehener Gast empfangen werden kann.
Während Irmgard Pohl mit ihrem Vater zum Mittagessen über den Platz geht, muß sie auch einen Blick zu den lustig wehenden Fahnen hinüberwerfen.
Sie bleibt stehen und sagt: »Vater, wenn Joachim Becker einmal wiederkehrte, um uns zur Versöhnung die Hand zu reichen, käme er dann als Sieger oder als Besiegter?«
»Als Sieger!« sagt Michael Pohl so schnell, als wäre er auf die Antwort vorbereitet gewesen.