»Und sein Sohn?« fragt Irmgard leise.
Der Mühlenbesitzer sieht sie eine Weile schweigend an. Dann sagt er: »Auch der Sieger kehrt in sein Land mit Verlusten zurück. Wer sich in den Kampf einläßt, muß ihn in jedem Falle mitbezahlen.« —
Als auch der letzte Gast verschwand, spaziert Joachim Becker noch ein wenig in seinem Hafen umher. Die Arbeit ist noch in vollem Betrieb, denn eines Festes wegen darf die Tätigkeit nicht ruhn. Die Angestellten haben auch ihr Freibier bekommen, und nun führen sie ihren Arbeitstag zu Ende.
Joachim Becker bleibt neben dem Verwaltungsgebäude stehen und denkt an die alten Linden, die hier einstmals wuchsen. Über dem zweiten Hafenbecken sieht er eine Kirche und ein Fräuleinstift.
Unter diesen Bäumen ist er damals auf- und abgegangen mit so hochfliegenden Gedanken, daß er manchmal selbst davor erschrak. Oft war er nicht allein gewesen, die Wärme und der Duft Irmgard Pohls hatten ihn verwirrt, so daß seine Pläne in die Ferne gerückt und ihm noch wahnwitziger erschienen waren. Er, der Prokurist einer Getreidefirma, hatte vor die Gewaltigen der Stadt treten wollen, um ihnen zu sagen: »Ich werde euch einen Hafen bauen!«
Wenn er so recht mutlos geworden war und gedacht hatte: »In deinem ganzen Leben wirst du das nicht fertigbringen«, hatte er zuweilen eine weiche Frauenhand gefühlt, und Irmgard Pohl mit ihrer festen zuversichtlichen Stimme hatte gesagt:
»Ich glaube an deine Kraft, und ich weiß, daß du dich durchsetzen wirst!«
Dann war der Plan wieder näher gerückt, und er hatte mit seinen Gedanken weiter daran bauen können.
Noch nicht fünf Jahre später steht er nun hier und blickt auf seinen fertigen Hafen.
Er geht zum Hafentor, als wolle er sein Werk auch von außen betrachten.