»Wollten Sie vielleicht hier hinein?« fragt Herr Gregor, nachdem er sie längere Zeit betrachtet hat.

»Ach nein«, gibt sie schüchtern und sehr verlegen zurück. »Ich wollte nur Frau Reiche rufen und bitten, mir eine Flasche Selter herauszubringen. Es ist für eine Kranke, und die Läden sind schon geschlossen.«

»Aber bitte, dann kommen Sie nur mit hinein«, sagt Herr Gregor galant und führt sie am wachsamen Auge des Torwarts ungehindert vorbei.

Nein, Herr Gregor hat es nicht nötig, sich selbst und seine Begleitung auszuweisen. Er ist eine Respektsperson, die hier gleich nach dem Hafendirektor eingeschätzt wird.

Seine Liebenswürdigkeit geht so weit, daß er Schwester Emmi bis in den Kantinenraum begleitet, der um diese späte Abendstunde nur von einigen Herren des Tiefbauamts besucht ist, und er ruft gut gelaunt: »Hier, Frau Reiche, bringe ich Ihnen Besuch.«

Schwester Emmi sagt tief errötend: »Nein, ich weiß wirklich nicht, wie ich dem Herrn dafür danken soll.« Damit ist zart angedeutet, daß Herr Gregor sich ihr noch nicht vorgestellt hat.

Leider wird der gewünschte Erfolg nicht erreicht, denn der elegante junge Mann läßt sich in einer Ecke nieder und bestellt sein Abendbrot. Frau Reiche erscheint mit der Selterflasche, und Schwester Emmis Mission wäre beendet.

»Vielen, vielen Dank,« flüstert die hübsche kleine Krankenschwester, »könnten Sie mir wohl noch — ach, mein Gott«, unterbricht sie sich mit einem Griff nach dem Kopf, und sie muß sich auf einen Stuhl fallen lassen, »— um ein Glas Wasser wollte ich bitten.« Sie ist wirklich einer Ohnmacht nahe.

»Lieber Gott«, ruft die junge Wirtin mit den feuchten dunklen Augen. »Das macht die schwere Arbeit, die so eine Krankenpflegerin zu leisten hat.«

Herr Gregor begnügt sich damit, die Szene aus einiger Entfernung zu beobachten. Er kennt die Frauen und darf von seiner Unwiderstehlichkeit überzeugt sein. Es ist ihm ein behagliches Gefühl, Anlaß dieser kleinen Szene zu sein, denn darüber braucht nach seiner Ansicht kein Zweifel zu bestehen.