»Guten Tag, Mutter«, sagt sie mit ihrer hellen festen Stimme. »Nun bin ich wieder gesund.«

»Ja,« erwidert Frau Pohl weinerlich gedehnt, »bist du krank gewesen?«

»Hat die Schwester es dir denn nicht gesagt?«

»Vielleicht hat sie es auch gesagt. Sie kann nur immer schwatzen und hier herumstehen. Aber auf mein Kind gebt ihr nicht acht.« Ihr Gesicht ist hart und unduldsam. »Wirst du dir jetzt mehr Mühe geben und arbeiten, wie es sich gehört?«

»Aber gewiß, Mutter, das will ich tun. Wir arbeiten alle, soviel es geht. Hörst du die Maschinen und die Arbeiter? Da ist keiner träge.«

»Ich kann es ja nicht kontrollieren. Der Vater und du, ihr könnt es mir wohl sagen, aber ich denke mir mein Teil. Ihr habt immer Ruhe, hier zu stehen und eure Zeit totzuschlagen.«

»Aber wir müssen doch nach dir sehen und uns um dich kümmern. Ich will dir dein Bett richten.«

»Mich laßt nur in Frieden, um mich ist es nicht schade«, gibt die Gelähmte zurück. Aber sie läßt es schweigend geschehen, daß die Tochter ihren elenden steifen Körper aufrichtet und die Kissen glättet. Dann verfällt sie wieder in die alte Apathie und gibt keine Antwort mehr.

Irmgard geht müde die Treppen hinab. Immer ist sie, von Mitleid und Liebe erfüllt, mit einem Herzen, das sich restlos verschenken will, hinaufgegangen und entmutigt zurückgekommen. Fünf Jahre lang, und nun ist sie einundzwanzig Jahre alt.

Im Kopfe dieser Frau hatten auch in gesunden Tagen nur zwei Gedanken Platz: die Arbeit und der Sohn. Sie hat ihrem Mann und der Tochter das Leben damit verdunkelt und sich selbst zur Sklavin gemacht, und als der Sohn endlich kam und ihr wieder genommen wurde, sind sie zur fixen Idee geworden: die Arbeit und der Sohn ...