»Wir werden wohl noch oft solche Hilfe brauchen«, sagt er müde. »Wenn Sie wollen, können Sie zu uns kommen — für unsere Fürsorgestelle«, fügt er, nach dem ersten aufbauenden Gedanken, hinzu.

Schwester Emmi neigt sich über ihre Verbandrollen. Man gibt ihr ein Amt, eine große und verantwortungsvolle Aufgabe, und man fragt nicht: wer bist du, woher kommst du, was hast du gelernt und — wie steht es mit den moralischen Qualitäten für den Posten? Man sagt: wenn du willst — Und sie blickt mit ihren tränenüberströmten Augen zu Joachim Becker empor. Da steht er rasch auf und verläßt wortlos den Raum.

Wie sie später, nachdem alle Verwundeten in die Krankenhäuser geschafft und die Toten aufgebahrt sind, am Hafendirektor vorbeikommt, wagt sie nicht mehr, ihm zu danken.

Er diktiert einem Manne: »38 Tote, 75 Verwundete. Erste Explosion beim Ausladen im Tor des Getreidespeichers. Ursache nicht aufgeklärt. Durch Entzündung der auf dem Wagen befindlichen restlichen Sprengstoffe ein Teil des Nordbeckens verschüttet. Die feuersicheren fertigen Kelleranlagen des Speichers fast unversehrt. Materialschaden nicht bedeutend.«

Schwester Emmi schlüpft scheu vorbei.

Aber vor Irmgard Pohl ist sie in ihrer Erregung ungehemmt. Sie berichtet unter Tränen — nicht mehr von dem, das die vielen betraf. Sie hatte ihnen geholfen, wortlos, selbstverständlich. Nun aber steht ihr eigenes Schicksal im Vordergrund.

»Als er sich umdrehte,« sagt sie, »so plötzlich, daß sein Gesicht nicht mehr zu sehen war, da wußte ich, daß ich diesen Menschen doch niemals hassen könnte.«

Und mit den Gefühlen der Angestellten vor dem höchsten Vorgesetzten fügt sie hinzu: »Ich glaube, daß er weinen kann wie wir.«

Irmgard Pohl streicht mit ihrer ruhigen Hand über die Haare der Schwester. »Ich wußte es, daß er kein schlechter Mensch ist«, sagt sie leise. »Wenn ihm doch Gott alles zum Guten führen wollte!«

Der Aufsichtsrat