Die Herren erheben sich in ungeordneter Reihe, die einen zögernd, die anderen ruckartig, Direktor Ellgers mit einem kurzen scharfen Blick auf den Hafendirektor.

Joachim Becker läßt seine Augen mit überlegener Ruhe die Reihen entlangschweifen. Er hat seinen Platz neben dem leeren Stuhl des Stadtvertreters, gegenüber Dr. Immermann, dem Mitinhaber der Privatbank, und Kommerzienrat Friemann. Er stellt fest, daß die meisten Herren es vorziehen, ihre Blicke während seiner Rede der Tischplatte anzuvertrauen.

Er spricht zunächst von dem Unglück und gibt Aufschluß über die genaue Zahl der Opfer. Entschädigungen an Verletzte und Hinterbliebene seien nicht zu zahlen, da alles ordnungsgemäß durch Versicherungen gedeckt war. Nur dem Nachbarn, Mühlenbesitzer Pohl, seien zersprungene Fensterscheiben und Beschädigungen am Hause zu ersetzen. Dann erörtert er eingehend die Ursache. Er selbst habe die Anordnung gegeben, die Sprengstoffe im fertigen feuersicheren Keller des Getreidespeichers zu lagern. Die Explosion sei im Haupteingang, wahrscheinlich durch eine Unvorsichtigkeit während des Ausladens, entstanden.

»Wir sehen daran, wie wenig der Mensch seinem Schicksal entrinnen kann. Hätten wir den falschen Weg gewählt und die Ladung im alten, abseits gelegenen Holzschuppen untergebracht, so wäre das fahrlässig gehandelt gewesen, doch wir hätten Menschenleben geschont und großen Schaden verhütet«, sagt er weiter mit bewegter Stimme. Aber er fühlt wieder die starren, warnenden Blicke des Kommerzienrats und sieht, wie Dr. Immermann mit dem Bleistift auf seinem Papier immer das gleiche Wort malt.

»Erze« entziffert er. Fünfmal, sechsmal das Wort »Erze«. Und es trifft ihn wie ein Peitschenhieb.

Dann spricht er vom zerstörten Getreidespeicher, vom Nordbecken. Daran sei zuerst und mit nicht zu überbietender Leistungsfähigkeit gearbeitet worden. Beide sollten bereits im Herbst in Betrieb genommen werden, während man an den übrigen Hoch- und Tiefbauten in Ruhe weitergearbeitet hätte.

Kommerzienrat Friemann, der nun auch auf seinem Notizblock zu malen begonnen hat, räuspert sich und schreibt mit dicken Buchstaben seinen Namen auf das Papier.

»Friemann — Getreide en gros« liest Joachim Becker, unwillkürlich darauf hingelenkt, und er fährt fort:

»Die größten Verluste erleidet dadurch der Getreidehandel.« Der Kommerzienrat legt seinen Bleistift hin.

»Die Aufräumungsarbeiten werden zuviel Zeit erfordern, wir müssen daher unseren Plan, zuerst den Getreidehafen fertigzustellen, aufgeben. Durch die von der Firma Friemann zufallenden bedeutenden Getreideladungen wären unsere Einrichtungen gleich zu Anfang vollkommen ausgenutzt worden. Der Schaden trifft nun noch empfindlicher die Firma Friemann als uns. Wir werden uns zunächst dem Bau des Mittelbeckens mit den Lagerhallen und Zollspeichern zuwenden. Da der Winter hemmend dazwischentritt, ist mit der Eröffnung erst im nächsten Frühjahr zu rechnen.«