Joachim Becker fragt Direktor Haarland von der Eisenindustrie, ob er sich als Mitglied des Konsortiums zunächst ein Vorrecht sichern wolle.

Direktor Haarland, der einzige, der in seinem Stuhl, anscheinend gelangweilt, zurückgelehnt liegt und die langen Beine ausstreckt, winkt mit einem Augenzwinkern und einer kaum spürbaren Bewegung seines großen Kopfes ab.

Stadtrat Richter ist jetzt hinzugekommen, und die Beratung über die Angebote wird eröffnet. Bankdirektor Ellgers bricht sie kurz ab mit dem Antrag, sofort eine Ausschreibung vorzunehmen und in jedem Fall der Verhüttungs-Aktiengesellschaft den Zuschlag zu geben, bei sofortiger Barzahlung.

Joachim Becker erhebt impulsiv die Hand, und Kommerzienrat Friemann beeilt sich, den Antrag zu unterstützen. Er wird ohne Zwischenfall einstimmig angenommen.

Stadtrat Richter bittet, im Interesse der Stadt, die wegen der Verpachtung der Ladestraßen ohnehin schon genug angegriffen werde, dafür Sorge zu tragen, daß die Mitteilungen über das Unglück gemildert würden. Man habe eine Sensation daraus gemacht, und nicht nur das Ansehen der Stadt, die doch an der Hafengesellschaft beteiligt sei, sondern auch die Idee von der Notwendigkeit des Hafens leide darunter.

Direktor Kohan meinte, daß die Presse eine selbständige Macht sei, die sich nicht gebrauchen lasse, wie man Lust habe, aber Kommerzienrat Friemann findet auch hier einen glücklichen Ausgleich.

»Gewisse Angriffe sind uns eine Zeitlang sogar nützlich gewesen,« sagt er zur allgemeinen Überraschung, »ja, ich betone: nützlich, und zwar aus folgendem Grunde: die Eisenbahn hat noch immer nicht ihre Zustimmung zu den vorgeschlagenen Verträgen gegeben. Sie macht Schwierigkeiten, weil sie uns fürchtet. Gewiß, unsere Frachten sind billiger, und über die Leistungsfähigkeit gegenüber der Bahn wollen wir heute noch nicht zuviel sagen, aber wir brauchen den Bahnanschluß. Nun wird gegen uns Stimmung gemacht, man bekommt den Eindruck, daß es mit uns doch nicht so zu gehen scheine, wie man nach den Projekten erwartet hatte, und — die Eisenbahn gibt es langsam auf, in uns eine gefährliche Konkurrenz zu sehen. Sie wird gefügiger. Wir stehen kurz vor dem Vertragsabschluß. Wenn diese Frage geklärt ist, wird sich das Weitere schon finden.«

Dieser Friemann, dieser mit allen Wassern gewaschene Getreidehändler, er weiß doch wahrhaftig auch das Negative so zu nutzen, daß es zum Vorteil gereicht. Man kann sich ihm anvertrauen und erwarten, daß er den in der Diplomatie allzu unerfahrenen Schwiegersohn noch erziehen werde. Jedenfalls ist man geneigt, die Verdienste um die Hafengesellschaft ihm allein zuzuschreiben — seinem wachen Geschäftsgeist, seiner unübertrefflichen Geschicklichkeit.

Man geht vollkommen beruhigt zum nächsten Punkt der Tagesordnung über, und Joachim Becker spricht von dem Beteiligungsangebot der Seehafenreedereien. Die Bedingungen sind unannehmbar, die Leute in den Seehäfen nutzen ihre Macht.

»Sie müssen ihre Überlegenheit verlieren,« sagt er mit erhobener Stimme, »das aber ist nur möglich, wenn sie eine Gegenmacht spüren, wenn sie wissen, daß wir nicht auf Tod und Leben von ihnen abhängig sind. Darum brauchen wir unsere Stützpunkte. An der Nord- und Ostsee sind noch andere Häfen, kleine Küstenstädte, deren Lage sich ausnutzen läßt. Zum Teil haben sie noch nicht einmal einen Freihafen. Sie werden von den Kommunen verwaltet, erfordern Zuschüsse und sind ihren Bürgern sogar eine Last. Wenn wir aber unsere Hand darauflegen und die zum Teil schon recht leistungsfähig ausgebauten, aber kaufmännisch schlecht verwalteten Häfen zu unseren Stützpunkten machen, so erlangen wir unsere Unabhängigkeit. Ebenso wie die weitsichtige und gutberatene hiesige Stadtvertretung den Ausbau ihres Hafens der Privatwirtschaft überließ, so werden auch diese Städte dem Gedanken nicht unzugänglich sein. Ich bitte Sie daher, sich schon heute darüber schlüssig zu werden, ob wir diesen Weg beschreiten wollen, und mir die nötigen Mittel zu bewilligen.«