Sie ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich nach dem Kummer der Tochter näher zu erkundigen.

»Aber in meiner Erinnerung ist ein Abgrund«, flüstert sie und versucht sich aufzurichten. Er ist ihr behilflich und stützt sie durch Kissenberge im Rücken.

»Du kannst nur allmählich zurückfinden.« Er hält ihre Hände fest, die unter seiner Wärme wieder ruhig werden. »Vor allen Dingen darfst du es nicht erzwingen wollen, du mußt geduldig warten, bis alles von selbst wiederkehrt.«

»Ja«, erwidert sie gehorsam. »Nur das eine mußt du mir sagen: der Vater ist tot?«

»Seit fünfundzwanzig Jahren!« bestätigt er.

»Und daß mein Bruder bei seiner Bank die große Summe unterschlagen hat und daß du alles bezahltest, das ist kein Traum?«

Michael Pohl überlegt einen Augenblick und sagt schließlich lachend:

»Was sind das für alte Sachen! Auch das ist fünfundzwanzig Jahre her.«

»Siehst du, das habe ich gewußt. Das ist kein Traum gewesen. Ich habe so viel Unglück über dich gebracht. Und nun bin ich krank und kann nicht sparen und arbeiten, um dir alles wieder einzubringen.«

Sie hat ihm damit zum erstenmal nach so viel Jahren eine Erklärung für ihren Arbeitsfanatismus gegeben, der ihm so oft zur Last geworden war.