Er setzt ihr auseinander, daß sie reich seien, sehr reich. Er zählt ihr die Werte seiner Mühle und des Grundstücks auf. Ja, sie hätten mehr Geld, als sie verbrauchen könnten. Und wenn sie wolle, so würde er hier sofort alles verkaufen und sie in ein herrliches Schloß setzen, wie sie es sich damals träumte, als sie beide noch jung waren.
»Gott hat mich für meinen Hochmut bitter gestraft«, sagt sie abwehrend. »Ich bin schuld daran, daß mein Bruder das getan hat. Ich habe ihn zu sehr geliebt und verwöhnt und mit meinen Plänen vergiftet.«
»Du warst nur wenige Jahre älter als er, und man konnte von dir noch nicht verlangen, daß du ihn allein erziehst, zumal du auch ohne Mutter aufgewachsen warst. Er war nicht schlecht und hat seine leichtsinnige Handlung bereut. Ich bin fest davon überzeugt, daß er drüben ein neues Leben angefangen hat. Wir haben nur nichts mehr von ihm gehört, weil du nicht wolltest, daß er uns schreibt.«
»Nein,« sagt sie, »dein Leben sollte nicht noch einmal das eines Verbrechers kreuzen.«
Er fühlt wieder ihre unbeugsame Strenge und versucht, ihre Gedanken von diesen Erinnerungen abzulenken.
Allmählich gelingt es ihm, sie zu beruhigen. Er hält ihre Hand fest und erkennt an dem sachte nachlassenden Druck ihr Versinken in den Schlaf.
In Erwartung
Als im nächsten Frühjahr das erste Hafenbecken mit den langgestreckten, niedrigen Lagerhallen fertiggestellt war und Waren aus aller Herren Ländern eintrafen, um ausgeladen oder umgeladen zu werden, konnte man wohl von der eigentlichen Eröffnung des Hafenbetriebs reden. Aber man machte nicht viel Wesens davon.
Joachim Becker fährt nach wie vor an jedem Morgen in den Hafen und sieht nach dem Rechten, nicht nur bei den Bauten, sondern auch bei den neuen Aufgaben des Hafens, bei der positiven Arbeit, auf die er lange genug gewartet hat.