Er stellt sich neben den Lademeister und sieht ihm schweigend eine Weile zu, bis der Mann irre wird und einen Fehler begeht; dann hat der Direktor Gelegenheit, zu zeigen, was er alles sieht und was er versteht. Ja, man hat Respekt vor ihm, das muß man sagen, man läßt sich durch seine Gegenwart unsicher machen. Und Joachim Becker findet, daß so alles in Ordnung ist.
Er geht auch zum Kontoristen in das kleine Bureau der Lagerhalle und sagt gutgelaunt:
»Na, bald werden Sie es nicht mehr allein schaffen, was? Wenn im Verwaltungsgebäude die ersten beiden Stockwerke fertig sind, ziehen wir dort ein. Dann können sie an den weiteren Etagen über unseren Köpfen fortbauen.«
»Ach,« meint der Beamte ehrfürchtig, »zieht dann die Direktion hier ein?«
»Die Direktion?« Joachim Becker lacht. »Nein, die Direktion bleibt, wo sie ist. Aber hier werden wir eine Verwaltung einrichten müssen.«
»Ja«, sagt Herr Karcher verständnisvoll, und es liegt ihm fern, zu denken, daß er dann einen besseren Posten einnehmen könnte. Er hat zwanzig Jahre die Papiere und Bücher in Lagergeschäften ordnungsgemäß geführt, und er trägt ein Verzeichnis aller Waren und ihrer unmöglichsten dialektischen und fremdländischen Bezeichnungen im Kopf. Er kannte sich immer in seinen Dokumenten aus, und darauf ist er stolz. Mehr verlangt er von seinem bescheidenen Leben nicht.
Aber nun sieht er manchmal zum Gerüst des Verwaltungsgebäudes hinüber und denkt mit Bestürzung: es wächst und wächst. Er ist mit dem jetzigen Zustand so zufrieden und hätte bei Gott keine Veränderung gewünscht.
Wenn er morgens mit seinem Handbuch zum Hafenbecken kommt, um die Eingänge zu notieren, liegen die Kähne mit den dunklen schweren Leibern in der Sonne. Kinder und Hunde laufen auf dem Deck umher, und die Schiffer ziehen ihre Mützen.
»Guten Morgen, Herr Karcher,« sagen sie freundlich und zutraulich und »Ja, das ist ein Frühlingstag«. Das sagen sie an jedem Frühlingstage.
Und Herr Karcher meint, während er die schmalen Schultern wohlig hochzieht und die Hände reibt: »Ja, das laß ich mir gefallen,« und »Ist dort, wo Ihr gestern wart, auch schon der Frühling eingezogen?«