Und er freut sich ordentlich auf seinen großen Kollegen.

Auch der Bodenmeister Ulrich erwartet gern den neuen Mann. Nun würde doch einer kommen, der seiner würdig wäre, einer, der auch die Welt gesehen hat und nicht wie dieser hier immer mit der Nase in der Heimat geblieben ist und dabei doch klugschnacken will. Ja, Ulrich ist ein weitgereister Mann. Er war für einen großen Spediteur in Saloniki tätig, und in Rustschuk hat er einen Getreidespeicher mit Elevatoren und allem modernen Kram bedient. Ach, sogar in Konstantinopel ist er gewesen, und wenn er von den Harems erzählt, die er in seinem Leben schon gesehen hat, dann sperren die anderen die Mäuler nur so auf.

Aber daran liegt ihm wenig. Nun würde doch einer kommen, mit dem er auch ein Wort in einer anderen Sprache reden könnte, denn so ein Kapitän versteht natürlich alle Sprachen, zum Beispiel Französisch. Und über das Technische könnte man sich mit ihm richtig fachmännisch unterhalten, über Schiffsbecherwerke und Saugförderanlagen und Krane, über die ganze Ausrüstung, die ein moderner Getreidespeicher heutzutage braucht. Ulrich zweifelt keinen Augenblick daran, daß ein Mann, der in der Welt herumgekommen ist, davon etwas versteht.

Er sieht im Geiste den halbfertigen Getreidespeicher in seiner vollkommenen Größe und mit allen maschinellen Anlagen ausgestattet. Dann ist seine Zeit angebrochen, denn dafür ist er bestimmt, und er wartet nur darauf. Nun aber kommt der Kapitän, der dafür sorgen muß, daß der Bau beschleunigt wird, und daß es ein richtiger und sehenswerter Hafen wird.

So freut sich auch der Bodenmeister Ulrich auf den Kapitän.

Aber da sind einige im Hafen, die ihm mit großer Sorge entgegensehen.

»Brauchen wir schon einen Aufpasser hier im Hafen?« fragt Frau Reiche ihren Mann. »Ich meine, es ist doch bisher ganz gut so gegangen.«

»Wenn die Direktion es für richtig hält, so mag es schon stimmen«, meint der ehemalige Bäckermeister und jetzige Kantinenwirt. Sein blasses, aufgeschwemmtes Gesicht mit den unzähligen Sommersprossen und dem roten Schnurrbart ist in letzter Zeit etwas eingefallen, denn er hat es nun mit Selterwasser und Milch versucht, und das ist nicht das richtige Getränk für einen Mann, der zu vergessen hat, daß er das beste Brot im ganzen Stadtviertel backen konnte, und der nun hinter dem Schanktisch stehen muß, weil es die Frau so will.

»Mag es schon stimmen,« macht sie ihm mit verzogenem Mund nach, »mag es schon stimmen! Du bist auch so einer, der alles für richtig findet, was die Obrigkeit anordnet, ohne einmal selber darüber nachzudenken. Ich bin der Ansicht, wir brauchen noch keinen Kapitän. Dazu sind wir hier noch viel zu klein. Aber der Direktor Becker weiß nicht mehr, wo er hinaus soll mit seinen hohen Plänen, und wenn man ihn sprechen will, so hat er keine Zeit.«

»Das ist auch richtig so. Unsereins hat in seinem Bureau nichts zu suchen. Was er uns zu sagen hat, läßt er uns schon durch Herrn Gregor bestellen.«