»Nein.«
»Aber du weißt, welche Bedeutung der Mühlenbesitzer dort drüben für den Hafen hat? Er ist dein erster Prozeßgegner. An diesem Dickschädel sollst du dir sozusagen deine Sporen verdienen.«
»Er ist der einzige der Privatbesitzer, der sein Terrain nicht verkaufen wollte?«
»Richtig! Die Akten will dir Direktor Becker morgen selbst übergeben. Es ist eine persönliche, eine Vertrauensangelegenheit. Und wenn ich dir jetzt sage, wer soeben dort hineingegangen ist, wirst du ermessen, was für eine heikle Aufgabe dir bevorsteht. Also die Person war eine Frau, eine Frau mit einer großen Tasche.«
Rechtsanwalt Bernhards verständnisloses Gesicht beweist dem Justizrat, daß seine feinen Anspielungen durchaus nicht verstanden werden.
»Du weißt also nicht, daß dieser Becker im Hause des Müllers gern gesehen war, als er noch der Tochter den Hof machte, während er dem Vater Friemanns Getreide verkaufte. Hier war er zu seinen großen Hafenplänen angeregt worden. Er ist ein Kerl, das kann man nicht anders sagen, wie man auch sonst über ihn denken mag. In seinem Kopfe ist das ganze Projekt entstanden, das heute so durchführbar erscheint, während man anfangs darüber gelacht hat. Wie aus dem Erdboden geschossen war er plötzlich da, dieser Prokurist im Hause Friemann. Er legte seine Pläne vor, löste die Verlobung mit Fräulein Pohl, heiratete die Tochter seines Chefs und brachte die maßgebenden Geldkreise zusammen. Heute nun wird der erste Spatenstich vorgenommen. Das ist alles in kaum neun Monaten geschehen, du kannst es dir ausrechnen, denn eben ist drüben die Frau mit der großen Tasche ausgestiegen. Das ist wieder so ein Witz des Schicksals, daß hier und dort seine Werke an einem Tage zu leben beginnen.« Der Justizrat lacht kichernd und verstohlen, als habe er selbst diesen Witz erfunden.
Alfred Bernhard ist noch etwas benommen. Es wird ihm nicht recht klar, ob er die Anspielungen richtig aufgefaßt hat.
»Also dort drüben ist auch eine Tochter und — und die Feindseligkeit des Müllers ist persönlicher Natur?«
»Allerdings. Damit mußt du rechnen. Da wirst du deinen Hebel ansetzen.«
»Das wird die Arbeit sehr erschweren. Unter diesen Verhältnissen ist wohl mit einem endlosen Prozeß zu rechnen. Meines Erachtens wird man den Mann nicht zwingen können, zu verkaufen. Und wenn er hartnäckig bleibt —«