Frau Pohl tritt, von dem Lärm angezogen, vor die Tür und sieht mißbilligend auf die Zerstörung ihres Gartens, denn nach ihrer Auffassung ist die grüne Rasenfläche nur für den Anblick bestimmt. Sie kann sich seit einigen Wochen schon ohne Stock bewegen.

Schwester Emmi will aufstehen, um sie zu begrüßen, denn sie hat sehr viel Respekt vor der hochgewachsenen Frau mit den harten Gesichtszügen, die ihr immer noch als Wesen einer anderen Welt erscheint. Ihre unbewußte Abneigung gegen die Wiederauferstandene sucht sie durch eine besonders erzwungene Freundlichkeit und Aufgeräumtheit zu verbergen. Aber nun kann sie ihr nicht einmal entgegengehen, denn der kleine Tyrann will seinen Platz nicht aufgeben und beginnt zu schreien, sobald sie sich erheben will.

So ruft sie einen lauten Gruß hinüber und lacht. Frau Pohl nickt kaum merklich und sagt zu ihrer Tochter:

»Ich wollte dich zum Kaffee rufen, du benachrichtigst wohl den Vater?« Sie hat keine Einladung für den Gast.

»Ja, gern«, sagt Irmgard freundlich. »Schwester Emmi wird uns Gesellschaft leisten. Wir wollen doch noch ein wenig plaudern.«

»Soll ich zu Herrn Pohl hinüberspringen?« fragt die Schwester, die gern aus dem Gesichtskreis der unfreundlichen Frau verschwinden möchte.

»Ach ja,« sagt Irmgard, »das ist lieb von Ihnen«, und sie nimmt ihr den Knaben ab, der sich über die Folgen der Veränderung noch nicht schlüssig ist und schweigt.

»Gib mir den Jungen«, sagt Frau Pohl rasch, und sie geht mit dem schreienden Kind ins Haus.

»Aber kommen Sie auch zurück!« ruft Irmgard der Schwester nach. Sie kennt den ersten Eindruck, den Fremde von der Mutter gern schnell wieder davontragen.

Schwester Emmi winkt ihr beruhigend zu und verschwindet im Kontor der Mühle.