»Bekommt ihr einen Kapitän?«
»Ja, einen neuen Hafendirektor, der bei uns wohnen soll und auch sein Bureau im Hafen haben wird. Das Erdgeschoß im Verwaltungsgebäude haben sie schon dafür eingerichtet, jetzt arbeiten sie an der Wohnung im ersten Stock.«
»So. Was soll denn nun der andere Direktor?«
»Der wird Generaldirektor im Stadtbureau. Aber was meinen Sie, wie kann das werden mit so einem Kapitän im Hafen?«
»Hm, da müßte man den Mann schon gesehen haben.«
Ach ja, da hatte er recht, was sollte man jetzt schon sagen können? Sie stellt auch gar zu törichte Fragen an diesen reifen und erfahrenen Mann. Aber er hört sie geduldig an und gibt sogar eine Antwort darauf.
Sie sind im Haus angelangt, und Schwester Emmi hätte sich auf den Kaffee am schönen runden Tisch sicherlich sehr gefreut, wenn noch alles so wie damals gewesen wäre, als Frau Pohl »oben« lag und am Leben der Gegenwart keinen Anteil nahm.
Nun sind über das Sofa und den Lehnstuhl am Fenster die alten Häkeldecken gebreitet, die Irmgard damals entfernt hatte, Nippes, Tischchen und anderer kleiner Hausrat hat das Zimmer so gefüllt, daß man sich nicht zu rühren wagt.
Schwester Emmi fühlt sich sehr unbehaglich. Sie beobachtet verstohlen die beiden Frauen und stellt fest, daß Irmgard die Züge und die hohe schmale Figur der Mutter hat. Aber was bei der alten Frau, die eine Greisin scheint, obgleich sie noch nicht fünfzig Jahre zählt, hart und streng gebildet ist, wirkt bei Irmgard weich und ausgeglichen.
›Was hat sie doch jetzt für ein liebes freundliches Gesicht‹, denkt die Schwester, wenn sie Irmgard Pohl betrachtet, die nun wieder ganz verjüngt wirkt. Sie empfindet den Kontrast neben der schweigsamen Frau wohltuend und erwärmend. Die schönen goldbraunen Augen Irmgards streifen besorgt ihre Mutter und bleiben mit großer Zärtlichkeit am Gesicht des Vaters haften.