Im Vorgarten hat sie den Vater bereits wieder eingeholt. Sie hängt sich in seinen Arm und fragt ihn:

»Könntest du mich nicht in deinem Bureau einstellen? Ich will auch gern noch einen Handelskursus mitmachen.«

Da bleibt er stehen und sieht ihr in das erwartungsvolle Gesicht:

»Siehst du, das habe ich auch gedacht!«

Und wie zwei gute Kameraden gehen sie Arm in Arm weiter.

Irmgard läßt sich in seinem Privatkontor auf das alte schwarze Ledersofa fallen, das sie schon als Kind zu stillen Träumereien aufgenommen hatte, während der Vater an seinem Schreibtisch arbeitete oder die Zeitung las.

In diesem Raum hat sich der Mühlenbesitzer von jeher am wohlsten gefühlt, denn drüben im Wohnhaus fand er keine Harmonie. Dort wird wieder von morgens bis abends nach einem unerschütterlichen, strengen Arbeitsplan gefegt, gewaschen, genäht, und keine Hand darf ruhn. Wie soll da die Seele Einkehr halten und ein Herz das andere finden? Aber er hat es aufgegeben, ein Prediger in der Wüste zu sein.

Michael Pohl dreht sich auf seinem Arbeitssessel um und blickt zu seiner Tochter hinüber, die mit verschränkten Armen lächelnd vor sich hinträumt.

»Was meinst du,« fragt er, »wie sollte man sich in einem solchen Fall verhalten?« Und er liest ihr einen Geschäftsbrief vor.

Es ist nicht das erstemal, daß er sie um einen Rat fragt, und seht an: so eine Frau findet manchmal den besseren Weg und scheint klüger als zwei Männer zusammen.