Nun gibt es Menschen mit einem geweiteten Horizont, die sehen sich nicht nur innerhalb der Mauern des Hafens um, die blicken darüber hinaus zu den Nachbarn links und rechts. Und man muß staunen, was da alles vor sich geht.

Der Müller hat zwar schon immer einen Getreidespeicher, eine Mühle und ein schmuckes kleines Wohnhaus jenseits des Kanals gehabt, doch ist der Speicher nicht um zwei Stockwerke höher geworden? Und wenn der Bodenmeister Ulrich sich so sehr viel auf das kommende Becherwerk und die Getreideheber einbildet, so soll er nur schweigen: der Mühlenbesitzer Pohl hat das alles längst. Er holt sich sein Getreide, das direkt aus Rumänien und Rußland kommt, damit selbst aus den Kähnen, und wenn es gebraucht wird, geht es ebenso maschinell in die Mühle hinüber. Da gibt es keine gebückten Menschen, die schwere Säcke hin- und herschleppen. Ein fleißiger Kran holt auch die Mehlsäcke aus der Etage heraus, in der sie gerade liegen, und führt sie zu einem Schiff hinüber, wenn sie dafür bestimmt sind, auf dem Wasserwege weiterzureisen. Was jedoch auf den Bahnhof oder in die Stadt befördert werden soll, wird auf Wagen geladen, denn Eisenbahnwaggons fahren an der Mühle noch nicht vor. Nein, über einen Gleisanschluß verfügt der Müller nicht. So weit hat er es nicht gebracht.

Gleisanschlüsse sind nur im Hafen. Da stehen sogar eigene Lokomotiven in einer Halle, die laut zischen und pfeifen, wenn sie angeheizt werden, und die vielen Gleise geben dem Hafen ein recht industrielles Aussehen. Natürlich sind auch schon ein paar Kräne da, und wenn die Freilagerplätze mit Kohle oder verrostetem alten Eisen in hohen Bergen geradezu überschüttet sind, so kann sich ein einzelner Müller mit seinem Betrieb nicht allzu stolz daneben sehen lassen.

Trotzdem schöpft er seinen Vorteil aus der Nachbarschaft des Hafens, und er hätte weder einen Anbau an seine Mühle gebraucht noch soviel Lagergetreide in seinen Räumen, wenn der erste Getreidespeicher des Hafens nicht in die Luft geflogen, sondern rechtzeitig fertiggestellt worden wäre.

So aber mußte man erst die anderen langgestreckten und flachen Lagerhallen bauen, und die Firma Friemann, Getreide en gros, lagert ihre Riesensendungen für Übersee so lange in den Seehäfen.

Wer etwa die Ansicht vertritt, daß dieser Verlust ein Unglück für den Binnenhafen sei, hat nicht den raffinierten Scharfsinn des Kommerzienrats erkannt, denn nun besitzt man gute Freunde am offenen Meer und die besten Verträge in der Tasche.

Ja, auch Generaldirektor Becker hat fleißig gearbeitet. Er ist auf mehreren Auslandsreisen gewesen, aber er hat es auch nicht verschmäht, einige kleine unbedeutende Häfen an der Wasserkante und im Binnenlande zu besuchen, und wenn man hin und wieder in die Zeitung sieht, so kann man lesen, daß die Hafengesellschaft auch anderwärts tüchtig ist und den Kommunen ihre Lasten abnimmt. Joachim Becker hat mit einigen strategischen Stützpunkten seine Stellung befestigt.

Nun ist auch sein Schwager im Hafen, der sich in das große und weitverzweigte Gebiet einer Hafenbewirtschaftung einzuarbeiten versucht und dabei ebensoviel Lust wie Unfähigkeit beweist. Aber der Generaldirektor ist weder ärgerlich noch traurig darüber, es kann nicht allein tüchtige Menschen in der Welt geben. Nur, daß der Kerl noch nicht richtig zu sprechen vermag, macht ihn nervös, denn man hat nicht Zeit, nach jedem Satz zweimal zu fragen.

Die englische Shagpfeife hat er im übrigen inzwischen über Bord geworfen, denn sie ist ihm bei der Arbeit hinderlich. Dazu gehört die gleichmütige Ruhe der Engländer, und die ist ihm nicht gegeben. Außerdem fand er in der Zusammenarbeit mit seinen technischen und wissenschaftlichen Beratern an den Einrichtungen der Engländer dieses und jenes auszusetzen und zu verbessern.

Inzwischen ist er auch in den Vereinigten Staaten gewesen, und nun imponieren ihm neben der gewaltigen Organisation die großartigen sozialen Einrichtungen der Amerikaner. Sie haben ihn seinem Steckenpferd, der Fürsorge, wieder mit vollen Segeln zugeführt.