Man war solche Einfälle von Ilse gewöhnt, aber doch erregte dieser plötzliche Vorschlag ein Hin und Wider. Man erhob allerlei Einwände, der Weg sei zu weit, zu beschwerlich, die Idee zu abenteuerlich, um ausführbar zu sein, aber Ilse wußte auf alle Bedenken einen Ausweg, [pg 16]sie malte ihnen in den glühendsten Farben aus, wie schön es sein würde, bis sie schließlich mit ihrer Begeisterung ansteckend wirkte.
Leo war innerlich schon ganz bereit, er fand die Idee seiner kleinen Frau außerordentlich verständig und ließ deshalb die andern soviel reden, als sie wollten. Stillschweigend holte er die Karte und das Kursbuch aus seinem Zimmer, und ohne die Zustimmung eines jeden abzuwarten, wurde der Plan entworfen. Nellie hegte doch einige Bedenken, ob ihrem Fred der nächtliche Weg gut bekommen würde, aber sie wollte nicht widersprechen, als sie merkte, daß er bereit war, teilzunehmen, eine Ausspannung würde ihm ja auch sehr gut sein.
So war man denn bald im besten Zuge und ging schon auf die Einzelheiten der Partie über, die am nächsten Sonnabend und Sonntag stattfinden sollte, als Onkel Heinz plötzlich damit herausrückte, daß er nicht mitgehen würde, er habe zu arbeiten, er könne sich nicht losmachen. Da brach aber ein wahrer Sturm über sein Haupt los!
„Ach, Heinz, nun mach keine Geschichten, du gehst auf jeden Fall mit,“ sagte Leo kategorisch, denn er wußte genau, daß er es schließlich doch tat.
„Was mache ich denn für Geschichten, Gontrau,“ erwiderte Onkel Heinz mit einigem Nachdruck, „was soll das heißen, Geschichten machen? Ich habe eben zu tun und kann deshalb nicht mit. Was habt ihr denn überhaupt davon, ob ich mitgehe oder nicht!“
„Natürlich haben wir etwas davon,“ sagte Ilse lustig [pg 17]herausfordernd, „ich hätte ja sonst niemand, den ich ärgern könnte.“
„Ja, da haben Sie recht,“ gab er zur Antwort und der Ton, mit dem er das sagte, hatte fast eine wehmütige Färbung.
„Deshalb keine Feindschaft, Onkel Heinz,“ lachte Ilse und erhob ihr Glas, um mit ihm anzustoßen, denn sie hatte gemerkt, daß ihn ihre Neckerei empfindlich berührte. „Und nicht wahr, Sie gehen mit?“ Dem liebenswürdigen Blicke, mit dem Ilse ihre Frage begleitete, konnte er nicht widerstehen.
„Ja, dann kann ich wohl nicht anders,“ sagte er befriedigt.
Es war spät geworden, als sich die Freunde trennten, denn über die bevorstehende Partie gab es noch eine Menge zu beraten und zu überlegen. Zum Schluß kam Ilse noch auf die Idee, Rosi mit ihrem Manne auch aufzufordern.