„Nein, nein, kein Licht, Marie,“ rief Ilse, als das Mädchen jetzt die Lampe hereinbrachte und sich der bläuliche Mondesschimmer mit dem gelblichen Scheine unschön vermischte.
Jetzt so in der duftigen Helle da draußen hinzuwandern, in die frühlingsfrische Nacht hinein, den Berg hinauf, durch den lichten Wald, immer weiter, weiter, dem matten Glanze folgend, einsam, still, unbelauscht zu sein, ganz in der göttlichen Natur, o das wäre eine Wonne! So dachte Ilse in diesem Augenblicke, und der Zauber dieses Gedankens verfolgte sie fortwährend. Sie hörte nur mit halbem Ohre hin, als Althoff von der neuesten Unerhörtheit eines Primaners erzählte, über dessen Haupte die Entlassung aus der Schule schwebte, und Onkel Heinz seine Ansicht über Pädagogik, die von der des Direktors sehr abweichend war, kundgab. Sie empfand eine Sehnsucht hinaus, einen Drang, etwas Besonderes zu unternehmen, wie man ihn fühlt, wenn die Begeisterung dem Menschen Flügel zu verleihen scheint, sich über das alltägliche zu erheben. In solcher Stimmung war Frau Ilse, und während Leo und Nellie glaubten, daß sie gleich ihnen den immer lebhafter gewordenen Streit [pg 15]zwischen dem Direktor und dem Professor verfolgte, entspann sich in ihrem Gehirn ein abenteuerlicher Plan.
„Kinder,“ rief sie plötzlich laut und erregt, „ich habe eine Idee!“
Onkel Heinz war gerade dabei, dem Direktor lang und breit auseinanderzusetzen, inwiefern der Unterricht für die Kinder ein andrer werden müsse, als Ilse mit ihrem Ausrufe hineinplatzte und alles Interesse sich ihr zuwandte.
„Darling, was hast du für eine Idee?“ fragte Nellie.
„Famos, famos!“ jubelte Ilse. „Aber ihr müßt mir versprechen, daß ihr nicht nein sagt, wollt ihr das?“
„Da könnten wir ja schön reinfallen,“ sagte Onkel Heinz, und Leo lachte: „Ja, Schatz, für so unvorsichtig wirst du uns doch nicht halten.“
„Also hört,“ fuhr Ilse fort, „in vier Tagen haben wir Vollmond –“
„In fünf Tagen,“ verbesserte der Professor ruhig.
„Nein, in vier, ich habe noch heute im Kalender nachgesehen; überhaupt, Onkel Heinz, unterbrechen Sie mich nicht. Also in vier Tagen haben wir Vollmond, was meint ihr dazu, wenn wir eine Partie auf den Schneekopf machten, aber in der Nacht. Denkt euch doch nur – im Mondenscheine, wie poetisch, wie romantisch!“