„Nun unser Arzt behauptet es,“ gab Ilse zur Antwort.
„Na ja, die Ärzte!“ fiel Onkel Heinz mit höhnischem Lachen ein; „wenn die so etwas behaupten, können Sie dreist das Gegenteil tun, denn meistens ist es nur Unsinn.“
Ilse ärgerte sich über seine absprechende Weise, aber sie schwieg dazu, ihre Laune war an diesem schönen Abend eine zu gute, und die wollte sie sich nicht verderben lassen; denn wenn sie mit dem Professor einmal über diesen Punkt in Streit geriet, wie schon so oft, blieb doch auf beiden Seiten eine kleine Mißstimmung zurück.
Und deshalb sagte sie nichts, schickte Fritz nach Hause und die Kinder zu Bett. Dem Quälen und Betteln von Ruth, ob sie nicht noch ein wenig aufbleiben könnte, setzte sie ein unerschütterliches „Nein“ entgegen.
Einige Zeit später saßen die Freunde bei der Bowle vergnügt zusammen, und Onkel Heinz heimste von allen Seiten das Lob über das gute Gelingen derselben ein. Im Zimmer wurde es schon ganz dämmerig, aber draußen war es noch hell und licht, ein wonniger Frühlingsabend. Jeder empfand in seiner Weise den Zauber desselben, einer oder der andre saß manchmal stumm und blickte durch das offene Fenster hinaus. In dem Birnbaume davor flötete jetzt eine Nachtigall ihr melancholisches Lied und der Mond hob sich hellglänzend vom Himmel ab.
„Schatz, ist es nicht herrlich heute abend?“ fragte Leo und sah seine Ilse überglücklich an. Die Freude über das gemütliche Zusammensein blickte ihm so recht lebhaft aus den Augen. „Althoff, Sie trinken ja gar nicht, trinken Sie doch mal aus,“ mahnte er den Direktor, aber Nellie, die mit Argusaugen darüber wachte, daß Fred ja nicht zu viel trank, flüsterte ihm leise zu, daß er daran denken solle, wie leicht er nach solchem Getränke Kopfschmerzen bekäme.
Ilse hatte die leise Warnung gehört.
„Nellie, Nellie, immer mußt du mit deinem Manne tuscheln, das ist gar nicht erlaubt,“ rief sie mahnend und schenkte dem Direktor nochmals eigenhändig ein.
„O,“ sagte seine Frau mit einem ängstlichen Blick auf das frischgefüllte Glas, aber da nahm sie schon wieder eine andre Sorge um Fred in Anspruch. Er saß so nahe am Fenster, ein leichtes Zusammenziehen seiner Schultern hielt sie für Frösteln, und besorgt fragte sie, ob er nicht [pg 14]lieber den Platz mit ihr wechseln wolle, es käme gerade, wo er säße, ein kühler Luftzug herein.
Leo sprang dienstbereit auf, das Fenster zu schließen, Althoff und der Professor waren aber entschieden dagegen, letzterer mit einer spöttischen Bemerkung, gegen die niemand etwas sagte. Man kannte ihn ja!