„Nun ist es zu spät, nun ist es zu spät!“ jammerte sie laut.
„Ja, was ist denn zu spät?“ fragte er.
„Herr Jansen ist da, bei Vater im Zimmer, und Mutter ging gerade hinein, als ich in den Flur trat – ich konnte sie nicht mehr sprechen. Was soll ich nun tun, was soll ich anfangen?“
Onkel Heinz schwieg. Er wußte keinen Rat zu geben, trotzdem Ruth ganz unglücklich schien; im nächsten Moment schon würde man ja von ihr vielleicht eine wichtige Entscheidung fordern, eine Lebensfrage an sie richten, und das war doch keine Kleinigkeit. Sie erging sich nun in lautem Selbstgespräch, das Onkel Heinz mit fortwährenden Randbemerkungen begleitete.
„Ich werde überhaupt nicht heiraten,“ fing sie an.
„Das wäre das Vernünftigste, was du tun könntest, aber bei euch Frauenzimmern ist es nun doch einmal die Hauptsache, das Heiraten,“ sagte er.
„Ich passe ja gar nicht für die Ehe, ich würde einen Mann nur quälen und unglücklich machen,“ fuhr sie fort.
Der Professor lächelte ironisch über dieses Selbstbekenntnis einer edlen Seele.
„Na – das müßte man doch erst mal abwarten, du bist noch lange nicht die schlechteste,“ sagte er.
„Es brauchen doch nicht alle Menschen zu heiraten, – du bist ja auch nicht verheiratet, Onkel Heinz!“