„Ja, meine Frau hat viel zu tun,“ sagte nun auch der Pastor; er meinte es wirklich ernst, denn Rosi redete es ihm ja fortwährend ein.
„O, wir sind auch keine Faulpelze,“ erwiderte Nellie, „jede Hausfrau hat zu tun.“
„Ach, Kinder, ich mache es mir furchtbar bequem; immer an den Haushalt denken, ist doch zu langweilig,“ rief Ilse übermütig. „Manchmal meine ich, daß ich überhaupt zu etwas andrem geboren bin, weil mir die Geschichte so wenig Spaß macht. Was essen wir heute, was essen wir morgen? Das ist das ewige Motto. Leo muß oft den Küchenzettel machen, wenn ich keine Lust dazu habe.“
Rosis Gesichtsausdruck merkte man es wohl an, wie sie über diese Äußerungen dachte, sie antwortete aber nichts darauf, denn instinktiv ahnte sie, daß derlei nur gesagt wurde, um sie zu reizen. Sie fühlte sich Nellie und Ilse innerlich vollkommen fremd, aber sie hielt es wiederum für ihre „Pflicht“, eine Jugendfreundschaft nicht einschlafen zu lassen, und schwieg deshalb zu vielem, was ihr an den beiden nicht gefiel. Als aber Ilse heute mit ihrer Aufforderung zur Teilnahme an der geplanten Partie herausrückte, da konnte sie nicht gut dazu schweigen. Was war das nun wieder für eine überspannte Idee, im [pg 29]Mondschein auf den Schneekopf zu steigen! Das fehlte noch, daß sie diesen Unsinn mitmachten! Innerlich war sie deshalb auch empört über ihren Mann, daß er überhaupt darauf einging, und er schien wahrhaftig die größte Lust zum Mitgehen zu haben.
„Lieber Adolf,“ unterbrach sie das Gespräch, „wir wollen es doch erst überlegen; du kannst gewiß nicht fort.“
Der Superintendent sah sie an, und aus ihren Blicken las er deutlich: Ich will es nicht. Er schwieg daher mit einem leichten Seufzer.
„Aber dein Mann sagte doch eben, daß er sehr gut könnte,“ meinte Nellie, und der alte Schelm, den Rosi innerlich Bosheit nannte, lachte mal wieder aus ihren Grübchen.
„Ich gehe keinesfalls mit,“ entschied die Pastorin. „Adolf kann ja mitgehen, wenn es ihm Spaß macht.“
„Aber Rosi!“ rief Adolf ganz erschrocken über eine solche Zumutung.
„Aber denke doch, Rosi, ein solcher Weg im Mondenschein, wie poetisch!“ rief Ilse begeistert.