„Eine solche Albernheit für erwachsene, verheiratete Menschen!“ fuhr Rosi fort.
„Du hast bei allem etwas auszusetzen; es ist oft nicht zum aushalten. Dann laß uns doch lieber den Verkehr mit deinen Freundinnen abbrechen.“
„Das liebste wäre es mir schon, ich tue es nur der Leute wegen nicht.“
Adolf antwortete mit einem resignierten Achselzucken; er kannte diese Litanei nun schon auswendig, und wenn Rosi in dieses Fahrwasser geriet, gab es sobald kein Aufhören; er ließ sie deshalb ruhig weiterreden.
„Du solltest mir lieber dankbar sein, daß ich stets daran denke, wie die Leute wohl dein Tun und Treiben auffassen. Ich halte es sogar für meine Pflicht, dich darauf aufmerksam zu machen.“
Wenn Rosi ihr „Pflichtgefühl“ als letzten Trumpf ausspielte, wurde ihre Miene noch um einige Grade strenger. Der Pastor kannte auch diesen Schlußeffekt genau, und es war am besten zu schweigen, wenn sie bei diesem Punkte angelangt war; er setzte sich daher an seinen Schreibtisch, holte seine Bücher hervor, schlug sie auf und schien eifrig darin zu lesen. Dies war für seine Frau das Zeichen, daß er sich auf keine weiteren Erörterungen mehr einlassen würde; sie konnte sagen, was sie wollte, er blieb stumm.
„Daß du gleich so empfindlich bist,“ versuchte sie doch noch einmal anzufangen.
Keine Antwort!
„Übrigens, mache doch die Partie mit, wenn dir soviel daran liegt. Ich,“ das Wort betonte sie besonders, „gebe mich zu solchen Dingen nicht her.“
Wiederum Schweigen!