„Man versteht hier kein Wort, nichts ist zu hören!“

Fräulein Born wurde verwirrt, fing an zu holpern und mußte auf Leos Geheiß noch einmal von vorn anfangen.

Sie war empört darüber! Zu Hause hatte sie den Prolog den Schwestern und der Mutter verschiedene Male vorgesprochen; sie waren entzückt gewesen und nun diese Zurechtweisungen! Als aber gar an ihrem Ausdruck, an der Betonung, die sie über allen Zweifel erhaben glaubte, ohne Schonung herumgetadelt wurde, da brach es los; sie konnte die aufsteigenden Tränen nicht zurückhalten, das „Kind“ fing an, wie ein Kind zu weinen.

Siedendheiß überlief es Ilse, der Anfang war ja wieder gut! Doch es half nichts, der Kelch mußte geleert werden, wenn er auch noch so bitter war.

So lief sie denn hinter die Kulissen und suchte Fräulein Born auf, welche schluchzend in ihrer Garderobe saß.

„Aber ich bitte Sie um Gottes willen, liebes [pg 73]Fräulein, warum weinen Sie denn?“ redete ihr Ilse zu.

„Soll ich da nicht weinen, wenn ich öffentlich blamiert werde?“ gab das Kind außer sich zur Antwort.

„Aber das ist doch keine Blamage, mein Mann meint es doch gut,“ tröstete Ilse krampfhaft, aber ihre Worte waren in den Wind gesprochen.

„Es wäre besser, ich spielte gar nicht mit, wenn ich es doch zu schlecht mache! Gerade mein Vortrag wurde immer besonders gerühmt, und meine Schwestern fanden, daß ich den Prolog mit sehr viel Ausdruck spräche; aber wenn man nur Tadel und kein Lob hört, verliert man alle Lust.“

Ilse konnte gegen diesen Ausbruch, den sie einige Male unterbrechen wollte, nicht aufkommen, auch flossen die Tränen eher noch reichlicher, als zuvor.