In der Garderobe von Erika Blum und den Schmidtschen Mädchen führten zwei Mütter einen heftigen Wettkampf auf, denn jede wollte, daß ihre Tochter die schönste sei, und trotz des Eifers und der großen Eile flogen doch verstohlene, prüfende Blicke hinüber und herüber.

Jetzt erschien der Friseur mit Schminke und Puderbüchse; er wurde sofort förmlich umringt.

„Bitte, erst mich, ich komme zuerst dran.“

„Meine Haarfrisur hält aber solange auf, Sie müssen mich zuerst frisieren!“

„Sehen Sie doch, bitte, ich habe mich schon selbst geschminkt; ist es so richtig, oder muß der schwarze Strich unter den Augen stärker sein?“

Der parfümierte Jüngling konnte sich vor so vielen Fragen und Anforderungen kaum retten, hilfeflehend sah er von einer zur andern; endlich schoß Erika den Vogel ab; sie wurde die erste.

„Nur nicht so rote Backen,“ sagte sie, denn schon im gewöhnlichen Leben waren ihre frischen Farben ihr größter Kummer, sie fand es interessanter, etwas blaß auszusehen. Endlich war sie fertig und kam sich mit dem angemalten Gesicht wie ein Puppenkopf vor, aber der duftende Haarkünstler versicherte immer wieder, daß sie ausgezeichnet „wirken“ würde, und die Freundinnen fanden den Backfisch Erika „reizend, süß, entzückend!“ Auch Frau Dr. Schmidt sagte der Mutter von Erika viel Angenehmes über das reizende Töchterchen, und Frau Blum behauptete mit gleicher Liebenswürdigkeit, daß Erna und Mietze doch noch viel hübscher aussähen.

In demselben Augenblick flog die Türe auf, das zweite Fräulein Born stürzte aufgeregt herein, und der Friseur wurde noch einmal zum „Kinde“ zurückgeholt, denn die blonde klassische Perücke hatte sich verschoben, als sie den Epheukranz darin befestigen wollte; außerdem war das Schminken noch nicht zur vollen Zufriedenheit ausgefallen.

„Gott, Sie sind schon alle fertig?“ fragte Fräulein Born ängstlich, als die jungen Mädchen jetzt zu ihr kamen und auch Ilse in ihrem einfachen Dienstmädchenkleid erschien.

„Aber Sie fassen doch Ihre Rolle zu realistisch auf, liebste Frau Gontrau, sich so rote Arme zu schminken!“ bemerkte sie leichthin zu Ilse, wandte dann aber sofort ihre Aufmerksamkeit wieder sich selbst zu. „Bitte, nun sagt mir mal ehrlich, sehe ich wirklich nicht gräßlich aus?“