„Na, nun komm doch näher, alte Kröte!“ rief er endlich herzlich.
Bei dem vertrauten Klang seiner Stimme schwand ihre Scheu, sie lief zu ihm hin und warf sich stürmisch in seine Arme.
„Halt, sachte, sachte,“ wehrte er den Wildfang ab, aber als Ilse sie zurückziehen wollte, hielt er sie doch wieder fest, und sie schmiegte sich noch enger an ihn.
Jetzt hatte er wieder sein altes Kinderonkelgesicht! Marianne erzählte von ihrer Puppe, die neulich auch so sehr krank gewesen sei, Ruth zeigte ihm den ersten Maikäfer in seinem engen Gefängnis, und konnte nicht genug berichten, wie schön es im Theater gewesen sei.
„Habe von der Mimerei gehört,“ sagte Onkel Heinz kurz.
Ilse hatte inzwischen die Maiblumen ins Wasser und neben ihn gestellt; mit den duftenden Blüten kam ein Stückchen Frühling in das nüchterne Zimmer.
„Bitte, Frau Gontrau, wollen Sie nicht Platz nehmen? Ruth, hole deiner Mutter einen Stuhl; fix, Mädel!“ rief er und konnte eine gewisse Verlegenheit nicht verbergen.
„Ich danke,“ sagte Ilse und setzte sich ihm gegenüber.
Sie hatte schon einige Male versucht ein Gespräch anzufangen, aber er ging nicht so recht darauf ein. Es schien eher, als vermeide er, sie anzusehen, denn nur scheu streifte sie sein Blick, dagegen beschäftigte er sich eifrig mit den Kindern, die in einem fort kicherten und schwatzten.
Ilse hatte sich eigentlich dieses Wiedersehen in ihrer Phantasie weit poetischer vorgestellt, ja sogar etwas romanhaft ausgeschmückt, und war nun enttäuscht, daß der Professor jede Annäherung abwehrte und auch nicht die Spur weich gestimmt zu sein schien. Doch wie kam sie auch auf so verwegene Gedanken! Sie hätte ihn doch hinreichend kennen sollen, um zu wissen, daß er nicht der Mann war, sich in einer solchen Situation geschickt zu benehmen.